Einleitung
Ein digitales Schallpegelmessgerät, häufig auch als Lärmmessgerät oder Dezibelmessgerät bezeichnet, dient zur Messung des Schalldruckpegels. Moderne Geräte beschränken sich dabei nicht auf die Anzeige eines aktuellen Dezibelwertes. Je nach Ausführung können zusätzlich Frequenzbewertung, Zeitbewertung, Maximalwertspeicherung, Data Hold, Datenaufzeichnung und Kommunikationsfunktionen verfügbar sein.
Jede dieser Funktionen erfüllt einen eigenen Messzweck. Die A-Bewertung wird häufig bei allgemeinen Umwelt- und Arbeitsplatzmessungen eingesetzt. FAST und SLOW bestimmen, wie schnell das Gerät auf Pegeländerungen reagiert. Eine Datenlogger-Funktion ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Geräuschentwicklung über einen längeren Zeitraum untersucht werden soll.
Wer die Bedeutung dieser Funktionen kennt, kann ein Schallpegelmessgerät sachgerecht einsetzen und ein geeignetes Modell nach dem tatsächlichen Messbedarf auswählen.
Das Wichtigste auf einen Blick
● Die Schalldruckpegelmessung ist die Grundfunktion eines digitalen Schallpegelmessgeräts; Ergebnisse werden typischerweise in dB, dBA oder dBC angezeigt.
● Die A-/C-Frequenzbewertung berücksichtigt unterschiedliche Frequenzanteile eines Geräusches.
● Die FAST-/SLOW-Zeitbewertung bestimmt die Reaktionsgeschwindigkeit auf Pegeländerungen.
● MAX/MIN und Data Hold erleichtern die Erfassung schwankender Geräusche und das Festhalten einzelner Messwerte.
● Einige Geräte verfügen zusätzlich über Datenlogger, Alarmgrenzen sowie USB- oder Bluetooth-Schnittstellen.
● Mehr Funktionen bedeuten nicht automatisch ein besser geeignetes Messgerät; entscheidend ist die Anwendung.
Schallpegelmessung
Die Schallpegelmessung ist die zentrale Funktion eines digitalen Schallpegelmessgeräts. Das Mikrofon erfasst Druckschwankungen der Luft, die anschließend elektronisch verarbeitet und als Dezibelwert auf dem Display ausgegeben werden.
Typische Anzeigeformen sind:
● dB: allgemeine Angabe eines Schallpegels.
● dBA: Schallpegel mit A-Frequenzbewertung.
● dBC: Schallpegel mit C-Frequenzbewertung.
Der Messbereich ist modellabhängig. Viele universell einsetzbare Geräte erfassen beispielsweise ungefähr 30 bis 130 dB. Maßgeblich sind jedoch stets die technischen Daten des jeweiligen Geräts.
Für viele einfache Anwendungen ist die Echtzeitanzeige des Schallpegels bereits die wichtigste Funktion.
Frequenzbewertung
Das menschliche Gehör reagiert nicht auf alle Frequenzen gleich empfindlich. Deshalb werden bei Schallpegelmessungen definierte Frequenzbewertungen verwendet.
Zu den gebräuchlichsten gehören:
● A-Bewertung: Tiefe und sehr hohe Frequenzen werden stärker abgeschwächt. Die Bewertung nähert sich unter vielen üblichen Schallpegelbedingungen der Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs an. Das Ergebnis wird in der Regel als dBA angegeben.
● C-Bewertung: Besitzt einen deutlich flacheren Frequenzgang und berücksichtigt tieffrequente Anteile wesentlich stärker als die A-Bewertung. Sie wird unter anderem bei hohen Schallpegeln oder ausgeprägten Tieffrequenzanteilen eingesetzt.
● Z-Bewertung: Bietet einen annähernd linearen Frequenzgang ohne klassische Frequenzbewertung und ist vor allem bei professionellen Schallpegelmessgeräten und akustischen Analysesystemen zu finden.
Einfache digitale Geräte bieten üblicherweise mindestens die A-Bewertung; einige Modelle unterstützen A- und C-Bewertung.
FAST- und SLOW-Zeitbewertung
Schallpegel in realen Umgebungen sind selten konstant. Maschinenbetrieb, Verkehr, Personenbewegungen oder Ein- und Ausschaltvorgänge können schnelle Pegeländerungen verursachen.
Deshalb verfügen viele digitale Schallpegelmessgeräte über FAST und SLOW.
● FAST: Zeitkonstante von etwa 125 ms. Das Gerät reagiert relativ schnell auf Pegeländerungen und macht kurzzeitige Schwankungen besser sichtbar.
● SLOW: Zeitkonstante von etwa 1 s. Die Anzeige verändert sich ruhiger und eignet sich für relativ stabile oder kontinuierlich schwankende Geräusche.
Bei stark wechselnden Maschinengeräuschen erleichtert FAST die Beobachtung kurzfristiger Änderungen. SLOW ist sinnvoll, wenn eine ruhigere und leichter ablesbare Anzeige gewünscht wird.
FAST und SLOW verändern die zeitliche Reaktion des Messgeräts und sind nicht als unterschiedliche Genauigkeitsstufen zu verstehen.
MAX- und MIN-Funktion
MAX/MIN-Funktionen sind bei digitalen Messgeräten weit verbreitet.
● MAX: Speichert den höchsten während eines Messzeitraums erfassten Pegel.
● MIN: Speichert den niedrigsten während eines Messzeitraums erfassten Pegel.
Bei stark schwankenden Geräuschen ist der höchste Wert durch reines Beobachten des Displays häufig schwer zu erfassen. Mit MAX lässt sich der höchste angezeigte Pegel während der Messung festhalten.
Bei Motoren, Ventilatoren, Kompressoren oder Produktionsmaschinen kann die MAX-Funktion beispielsweise helfen, höhere Betriebsgeräusche zu dokumentieren.
Der MAX-Wert eines einfachen Schallpegelmessgeräts ist jedoch nicht zwangsläufig mit einem echten akustischen Spitzenpegel gleichzusetzen. Für Peak-Messungen muss das Gerät ausdrücklich über eine entsprechende Peak-Funktion verfügen.
Data Hold
Die Data-Hold-Funktion wird üblicherweise mit HOLD bezeichnet.
Nach Betätigung der HOLD-Taste bleibt der aktuelle Messwert auf dem Display stehen, auch wenn sich der tatsächliche Schallpegel weiter verändert.
Die Funktion ist besonders praktisch, wenn:
● das Display während der Messung schwer ablesbar ist;
● ein bestimmter Messwert festgehalten werden soll;
● Messwerte manuell in ein Prüfprotokoll übertragen werden;
● das Gerät zunächst aus der Messposition entfernt werden muss.
Data Hold stoppt nicht die Messumgebung, sondern hält lediglich einen angezeigten Wert fest.
Messbereich und Übersteuerungsanzeige
Je nach Bauart arbeitet ein digitales Schallpegelmessgerät mit automatischer Bereichswahl oder mit manuell wählbaren Messbereichen.
Bei Autorange-Geräten wird ein geeigneter Messbereich automatisch gewählt. Bei manueller Bereichswahl kann der Anwender den Messbereich entsprechend der erwarteten Schallpegel festlegen.
Überschreitet der tatsächliche Schallpegel den verfügbaren Bereich, zeigen manche Geräte beispielsweise „OVER“ an. Auch für Pegel unterhalb des nutzbaren Bereichs kann eine entsprechende Anzeige vorhanden sein.
Eine Überbereichsanzeige darf nicht als tatsächlicher Schallpegel interpretiert werden. In diesem Fall sind Messbereich und maximale Messfähigkeit des Geräts zu prüfen.
Displaybeleuchtung und automatische Abschaltung
Viele digitale Schallpegelmessgeräte verfügen über zusätzliche Bedienfunktionen.
● LCD-Beleuchtung: Erleichtert das Ablesen in Maschinenräumen, Kellern, bei Nacht oder bei ungünstigen Lichtverhältnissen.
● Automatische Abschaltung: Schaltet das Gerät nach längerer Inaktivität aus und reduziert den Energieverbrauch.
● Batteriestandsanzeige: Weist rechtzeitig auf erforderlichen Batteriewechsel oder Ladevorgang hin.
Diese Funktionen verändern die akustische Messleistung nicht, verbessern jedoch die praktische Handhabung.
Alarmfunktion
Einige digitale Schallpegelmessgeräte bieten einstellbare Alarm- oder Grenzwertfunktionen.
Nach Festlegung eines Schallpegelgrenzwertes kann das Gerät beim Erreichen oder Überschreiten über das Display, eine LED oder ein akustisches Signal warnen.
Typische Anwendungen sind:
● schnelle Kontrolle definierter Schallpegelgrenzen;
● Lärmprüfungen in Produktionsbereichen;
● unterstützende Überwachung von Maschinenzuständen;
● Überwachung vorgegebener Umgebungspegel.
Ein frei eingestellter Alarmwert ist nicht automatisch mit einem gesetzlichen oder arbeitsmedizinischen Expositionsgrenzwert gleichzusetzen. Für formelle Bewertungen müssen Messverfahren, Expositionsdauer und die jeweils geltenden Anforderungen berücksichtigt werden.
Datenaufzeichnung
Einfache digitale Schallpegelmessgeräte sind hauptsächlich für Echtzeitmessungen ausgelegt. Geräte mit Datenlogger können Messwerte dagegen automatisch in festgelegten Intervallen speichern.
Dadurch lassen sich zeitliche Pegelverläufe untersuchen, beispielsweise:
● Geräuschveränderungen während eines vollständigen Maschinenzyklus;
● Pegelverläufe in einer Produktionshalle zu unterschiedlichen Zeiten;
● Geräuschentwicklung von HVAC-Anlagen bei Start, stationärem Betrieb und Abschaltung;
● langfristige Trends von Umgebungsgeräuschen.
Im Vergleich zu einem einzelnen Dezibelwert liefert eine kontinuierliche Aufzeichnung deutlich mehr Informationen für die spätere Analyse.
Speicherkapazität, Aufzeichnungsintervall und verfügbare Messparameter unterscheiden sich je nach Gerät und sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden.
USB, Bluetooth und Datenkommunikation
Einige digitale Schallpegelmessgeräte können über USB, Bluetooth oder andere Schnittstellen mit Computern, Smartphones oder Datenerfassungssystemen verbunden werden.
Je nach Gerät und Software können folgende Funktionen zur Verfügung stehen:
● Echtzeitanzeige der Messwerte;
● Download gespeicherter Daten;
● Darstellung von Pegelverläufen;
● Export von Messprotokollen;
● langfristige Datenanalyse;
● Fernanzeige aktueller Messwerte.
Für schnelle Vor-Ort-Messungen sind diese Funktionen nicht zwingend erforderlich. Bei Instandhaltung, Laborprüfungen, Umweltüberwachung oder dokumentationspflichtigen Messungen können sie jedoch einen deutlichen Mehrwert bieten.
Äquivalenter Dauerschallpegel und weitere erweiterte Funktionen
Professionelle oder integrierende Schallpegelmessgeräte können zusätzliche Parameter erfassen, die bei einfachen Geräten häufig nicht verfügbar sind. Dazu gehört insbesondere der äquivalente Dauerschallpegel Leq.
Leq beschreibt den konstanten Schallpegel, der innerhalb eines definierten Zeitraums dieselbe Schallenergie enthalten würde wie das tatsächlich schwankende Geräusch. Dieser Parameter spielt bei Umwelt- und Arbeitsplatzlärmbewertungen eine wichtige Rolle.
Grundsätzlich lassen sich verschiedene Gerätekategorien unterscheiden:
● Ein einfaches digitales Schallpegelmessgerät dient hauptsächlich zur Echtzeitmessung und schnellen Vor-Ort-Kontrolle.
● Ein Datenlogger-Schallpegelmessgerät speichert Pegelverläufe über längere Zeiträume.
● Ein integrierendes Schallpegelmessgerät berechnet Leq und weitere zeitintegrierte Parameter.
● Professionelle Schallanalysatoren können zusätzlich Frequenzspektren und weitere akustische Kenngrößen auswerten.
Vor der Auswahl sollte daher geklärt werden, ob lediglich ein aktueller Dezibelwert oder eine formelle Langzeitbewertung erforderlich ist.
Kalibrierungsbezogene Funktionen
Um verlässliche Messergebnisse sicherzustellen, müssen Schallpegelmessgeräte üblicherweise akustisch kalibriert oder überprüft werden.
Je nach Gerätekonstruktion kann eine Kalibriereinstellung integriert sein. Alternativ wird das Messgerät mit einem externen Schallkalibrator kontrolliert.
Bei einer typischen Prüfung wird ein geeigneter Kalibrator auf das Mikrofon aufgesetzt. Der Kalibrator erzeugt einen definierten Referenzschalldruckpegel, anhand dessen überprüft werden kann, ob die Anzeige innerhalb der zulässigen Toleranz liegt.
Für einfache Trendkontrollen können die Anforderungen geringer sein. Bei Arbeitsplatz-, Umwelt-, Labor- oder dokumentationspflichtigen Messungen sollte die Kalibrierung entsprechend dem jeweils anzuwendenden Messverfahren organisiert werden.
Sind mehr Funktionen automatisch besser?
Nein.
Für einfache Maschinenkontrollen oder allgemeine Schallpegelprüfungen kann ein Gerät mit A-Bewertung, FAST/SLOW, MAX und HOLD bereits ausreichend sein.
Soll der Schallpegel über einen ganzen Arbeitstag aufgezeichnet werden, sind Speicherkapazität und Aufzeichnungsintervall wichtiger. Für die Übertragung an einen Computer oder ein Smartphone sind USB oder Bluetooth relevant. Bei Arbeitsplatzlärmbewertungen oder professionellen Umweltmessungen gewinnen Leq, integrierende Messfunktionen, Geräteklasse und die jeweils anzuwendenden Messanforderungen an Bedeutung.
Entscheidend ist daher nicht die Anzahl der Funktionen, sondern ihre Eignung für die konkrete Anwendung.
FAQ
Was ist die wichtigste Grundfunktion eines digitalen Schallpegelmessgeräts?
Die Grundfunktion ist die Messung des Schalldruckpegels mit Anzeige in Dezibel. Viele Geräte bieten zusätzlich A-Bewertung, FAST/SLOW sowie MAX oder HOLD.
Was ist der Unterschied zwischen A- und C-Bewertung?
Die A-Bewertung schwächt tiefe Frequenzen stärker ab und nähert sich unter vielen üblichen Bedingungen der Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs an. Die C-Bewertung verläuft flacher und berücksichtigt tieffrequente Anteile stärker.
Ist FAST genauer als SLOW?
Nein. Beide Einstellungen besitzen unterschiedliche Zeitreaktionen. Welche Einstellung geeignet ist, hängt vom Geräusch und vom Messziel ab.
Kann MAX einen echten Spitzenwert messen?
Nicht unbedingt. MAX speichert bei einfachen Geräten meist den höchsten Messwert unter der gewählten Frequenz- und Zeitbewertung. Dies ist nicht identisch mit einer speziellen Peak-Messung.
Was ist der Unterschied zwischen Data Hold und Datenaufzeichnung?
Data Hold friert einen einzelnen angezeigten Wert ein. Ein Datenlogger speichert dagegen automatisch mehrere Messwerte über einen definierten Zeitraum.
Kann jedes digitale Schallpegelmessgerät Leq messen?
Nein. Für Leq ist in der Regel eine integrierende Messfunktion erforderlich. Die Produktdaten müssen ausdrücklich angeben, dass Leq unterstützt wird.
Verbessert Bluetooth die Messgenauigkeit?
Nein. Bluetooth dient hauptsächlich zur Anzeige, Übertragung und Speicherung von Daten und erhöht nicht direkt die Genauigkeit des Mikrofons oder des akustischen Messsystems.
Fazit
Die Kernfunktion eines digitalen Schallpegelmessgeräts besteht darin, Schalldruckschwankungen in ablesbare Dezibelwerte umzuwandeln. Moderne Geräte können darüber hinaus A-/C-Frequenzbewertung, FAST-/SLOW-Zeitbewertung, MAX/MIN, HOLD, Alarmfunktionen, Displaybeleuchtung, Datenlogger sowie USB- oder Bluetooth-Kommunikation bieten.
Die einzelnen Funktionen erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Die Frequenzbewertung beeinflusst die Beurteilung unterschiedlicher Frequenzanteile, die Zeitbewertung bestimmt die Reaktion auf Pegeländerungen, MAX/MIN und HOLD verbessern die praktische Messung, während Datenaufzeichnung und Kommunikation langfristige Überwachung und Analyse unterstützen.
Bei der Auswahl sollten daher Messaufgabe, Dokumentationsbedarf und der erforderliche Umfang der akustischen Bewertung im Vordergrund stehen.














