Einleitung
Infrarot-Thermometer ermöglichen eine schnelle, berührungslose Messung von Oberflächentemperaturen und werden unter anderem in der elektrischen Instandhaltung, bei Maschineninspektionen, in der Klima- und Lüftungstechnik, in industriellen Prozessen sowie bei der Kontrolle heißer Anlagen eingesetzt. Viele Geräte verfügen deshalb über eine integrierte Laserzielhilfe.
Dabei ist wichtig: Der Laser selbst misst keine Temperatur. Das Gerät erfasst die vom Zielobjekt abgegebene Infrarotstrahlung. Der Laser dient lediglich als optische Hilfe zum Ausrichten des Geräts.
Der wesentliche Vorteil eines Infrarot-Thermometers mit Laser liegt somit nicht in einer grundsätzlich höheren Messgenauigkeit, sondern in einer schnelleren Zielerfassung, einer geringeren Gefahr von Fehlmessungen an der falschen Stelle und einer komfortableren Bedienung über größere Entfernungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
● Der Laser dient in erster Linie als Ziel- und Positionierhilfe und ist nicht Bestandteil der eigentlichen Temperaturmessung.
● Eine Laserzielhilfe erleichtert die Erfassung entfernter, kleiner oder dicht nebeneinanderliegender Messpunkte.
● Sie kann Fehlmessungen durch falsches Anvisieren reduzieren, verändert jedoch nicht die spezifizierte Gerätegenauigkeit.
● Der Laserpunkt entspricht nicht automatisch dem gesamten Messfleck; dessen Größe wird über das D:S-Verhältnis bestimmt.
● Besonders bei heißen, bewegten, spannungsführenden oder schwer zugänglichen Objekten verbessert die Laserzielhilfe die Handhabung.
● Bei der Geräteauswahl sind zusätzlich Messbereich, Genauigkeit, D:S-Verhältnis, Emissionsgrad, Ansprechzeit und Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen.
Wie funktioniert ein Infrarot-Thermometer mit Laserzielhilfe?
Ein Infrarot-Thermometer erfasst über sein optisches System die vom Zielobjekt abgegebene Infrarotstrahlung und bündelt sie auf einem Infrarotsensor. Aus dem erfassten Strahlungssignal, dem eingestellten Emissionsgrad, der internen Kompensation und der Gerätekalibrierung wird die Oberflächentemperatur berechnet.
Die Laserzielhilfe arbeitet davon unabhängig. Wird sie aktiviert, projiziert sie einen sichtbaren Punkt beziehungsweise eine Zielmarkierung auf oder in die Nähe des Messobjekts.
Vereinfacht lässt sich die Funktion wie folgt aufteilen:
● Das Infrarot-Messsystem ermittelt die Temperatur.
● Die Laserzielhilfe unterstützt beim Anvisieren.
Bei den meisten Geräten kann auch bei ausgeschaltetem Laser gemessen werden. Die Laserfunktion verbessert die Orientierung, verändert aber nicht das physikalische Messprinzip.
Die Laserzielhilfe erleichtert das gezielte Anvisieren der Messstelle
Bei großen Flächen und geringen Messabständen lässt sich meist problemlos erkennen, auf welchen Bereich das Gerät ausgerichtet ist. Mit zunehmendem Abstand oder bei kleineren Zielobjekten wird dies schwieriger.
Ein Laser liefert eine gut sichtbare Orientierungshilfe.
Bei der Kontrolle mehrerer Anschlussklemmen in einem Schaltschrank liegen die Messstellen beispielsweise oft dicht nebeneinander. Ohne sichtbare Zielhilfe ist nicht immer unmittelbar erkennbar, welches Bauteil gerade gemessen wird. Der Laser unterstützt eine schnellere und eindeutigere Zuordnung.
Typische Anwendungen sind:
● Temperaturkontrolle elektrischer Anschlussstellen
● Prüfung von Motoren und Lagern
● Oberflächentemperaturmessung an Rohrleitungen
● Kontrolle von HVAC-Anlagen und Luftauslässen
● Temperaturüberwachung industrieller Maschinen und Anlagen
Bei größeren Messabständen ist eine Laserzielhilfe besonders hilfreich
Ein wichtiger Vorteil der Infrarotmessung ist die berührungslose Messung aus sicherer oder praktischer Entfernung. Heiße, bewegte oder schwer zugängliche Objekte lassen sich dadurch ohne direkten Kontakt prüfen.
Mit zunehmendem Messabstand wird jedoch das exakte Ausrichten schwieriger.
Bei der Messung von heißen Rohrleitungen, Öfen, Maschinen oder anderen Anlagen aus mehreren Metern Entfernung erleichtert der Laser die Orientierung und hilft, den gewünschten Messpunkt sicherer zu erfassen.
Für regelmäßig größere Messabstände ist neben der Laserfunktion insbesondere das D:S-Verhältnis zu beachten. Ein höheres D:S-Verhältnis ermöglicht bei gleicher Entfernung in der Regel einen kleineren Messfleck und eignet sich daher besser für entfernte oder kleinere Zielobjekte.
Die Laserzielhilfe kann Fehlmessungen an der falschen Stelle reduzieren
Ein Infrarot-Thermometer erfasst die Wärmestrahlung einer bestimmten Messfläche und nicht nur eines unendlich kleinen Punktes.
Wird das Gerät falsch ausgerichtet oder umfasst der Messfleck neben dem Zielobjekt auch den Hintergrund, kann die angezeigte Temperatur durch benachbarte Flächen beeinflusst werden.
Soll beispielsweise die Temperatur eines heißen Lagers bestimmt werden, das Gerät ist jedoch auf das kühlere Metallgehäuse daneben gerichtet, entspricht der Messwert nicht der tatsächlichen Lagertemperatur.
Die Laserzielhilfe verbessert nicht die angegebene Grundgenauigkeit des Instruments, kann aber praktische Messfehler durch falsche Zielausrichtung verringern.
Warum entspricht der Laserpunkt nicht dem tatsächlichen Messfleck?
Dieser Punkt ist für den korrekten Einsatz eines Laser-Infrarot-Thermometers besonders wichtig.
Der Laserpunkt ist eine Zielmarkierung und bildet nicht zwangsläufig die gesamte Fläche ab, aus der der Sensor Infrarotstrahlung empfängt. Die tatsächliche Messfleckgröße wird hauptsächlich durch das optische System und das D:S-Verhältnis bestimmt.
Bei einem D:S-Verhältnis von 12:1 kann vereinfacht angenommen werden, dass bei einem Abstand von etwa 1200 mm ein Messfleck mit ungefähr 100 mm Durchmesser erfasst wird. Maßgeblich sind jedoch immer das optische Diagramm und die technischen Angaben des jeweiligen Herstellers.
Auch wenn der Laser exakt auf einem kleinen Bauteil liegt, kann der tatsächliche Messfleck daher über das Bauteil hinausreichen und angrenzende Flächen erfassen.
Für eine korrekte Messung gilt:
● Den Laser zur Kontrolle der Zielrichtung verwenden.
● Die Messfleckgröße anhand des D:S-Verhältnisses bestimmen.
● Das Zielobjekt sollte deutlich größer als der tatsächliche Messfleck sein.
Bei heißen oder gefährlichen Messobjekten verbessert der Laser die Handhabung
Infrarot-Thermometer werden häufig an Objekten eingesetzt, die sich nicht für eine direkte Berührung eignen, beispielsweise heiße Öfen, Rohrleitungen, rotierende Maschinen, elektrische Anlagen oder höher gelegene Bauteile.
In diesen Situationen ist häufig ein angemessener Abstand erforderlich.
Mit einer Laserzielhilfe kann die gewünschte Messstelle auch aus größerer Entfernung leichter erfasst werden, ohne dass sich der Anwender dem Objekt unnötig nähern muss.
Bei der Prüfung heißer Anlagen kann der Anwender beispielsweise aus geeignetem Abstand die gewünschte Stelle mit dem Laser anvisieren und anschließend den Temperaturwert erfassen.
Die Laserzielhilfe ersetzt jedoch keine Sicherheitsmaßnahmen. Bei elektrischen Anlagen, heißen Oberflächen und rotierenden Maschinen müssen die jeweiligen Sicherheitsvorgaben und zulässigen Arbeitsabstände weiterhin eingehalten werden.
Für kleine Zielobjekte und dicht beieinanderliegende Messpunkte besonders praktisch
Bei industriellen Prüfungen müssen häufig kleine oder eng benachbarte Bauteile gemessen werden, beispielsweise:
● elektrische Anschlussklemmen
● Sicherungen
● Schutzschalter
● kleine Lager
● Rohrverbindungen
● Leiterplatten und elektronische Bauteile
● Heizelemente
Hier erleichtert die Laserzielhilfe die eindeutige Unterscheidung zwischen den einzelnen Messstellen.
Bei sehr kleinen Objekten reicht die Laserfunktion allein jedoch nicht aus. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass der tatsächliche Messfleck bei der verwendeten Entfernung kleiner als das Zielobjekt ist.
Für kleine Messobjekte sollten daher sowohl Laserzielhilfe als auch ein geeignetes D:S-Verhältnis berücksichtigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Doppellaser?
Infrarot-Thermometer können mit einer Einzel- oder Doppellaser-Zielhilfe ausgestattet sein.
Ein Einzellaser erzeugt üblicherweise einen sichtbaren Punkt, der die ungefähre Zielrichtung oder die Mitte des Messbereichs kennzeichnet. Für allgemeine Wartungs-, HVAC- und Industrieanwendungen ist dies häufig ausreichend.
Bei einem Doppellaser werden zwei Laserpunkte verwendet, um je nach optischer Konstruktion zusätzliche Informationen über die Lage des Messbereichs oder dessen Begrenzung zu geben.
Die Umsetzung unterscheidet sich jedoch je nach Hersteller und Modell. Daher darf nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass der Bereich zwischen zwei Laserpunkten exakt dem tatsächlichen Messfleck entspricht.
Entscheidend sind stets das optische Diagramm und die Bedienungsanleitung des jeweiligen Geräts.
Bedeutet eine Laserzielhilfe automatisch eine höhere Messgenauigkeit?
Nein.
Die Messgenauigkeit eines Infrarot-Thermometers wird vor allem durch Infrarotsensor, Optik, Kalibrierung, interne Kompensation, Emissionsgradeinstellung und Gerätekonstruktion bestimmt.
Ist ein Gerät beispielsweise mit einer Genauigkeit von ±1,5 % oder ±1,5 °C spezifiziert, verändert eine zusätzliche Laserzielhilfe diese Grundspezifikation nicht.
Der Laser unterstützt lediglich dabei, die gewünschte Messstelle korrekt anzuvisieren.
Vereinfacht gilt:
● Die Gerätegenauigkeit bestimmt, wie genau die Temperatur ermittelt wird.
● Die Laserzielhilfe hilft sicherzustellen, dass die richtige Stelle gemessen wird.
Es handelt sich um zwei unterschiedliche Leistungsmerkmale.
Wann empfiehlt sich ein Infrarot-Thermometer mit Laserzielhilfe?
Ein Modell mit Laser ist besonders sinnvoll, wenn:
● häufig aus größerer Entfernung gemessen wird;
● die Zielobjekte relativ klein sind;
● mehrere Messpunkte eng nebeneinanderliegen;
● viele Messstellen schnell kontrolliert werden müssen;
● heiße oder schwer zugängliche Stellen geprüft werden;
● regelmäßig Schaltschränke, Maschinen oder Rohrleitungen kontrolliert werden;
● eine deutlich sichtbare Zielhilfe für den Anwender gewünscht ist.
Bei großen Flächen und kurzen Messabständen, etwa an Wänden, Böden oder großflächigen Maschinenverkleidungen, ist die Laserfunktion weniger entscheidend, kann die Bedienung aber dennoch erleichtern.
Welche weiteren technischen Daten sind bei der Auswahl wichtig?
Die Laserfunktion ist nur eines von mehreren Auswahlkriterien eines Infrarot-Thermometers. Zusätzlich sollten folgende Eigenschaften berücksichtigt werden:
● Temperaturmessbereich: Der Messbereich muss die niedrigsten und höchsten zu erwartenden Temperaturen abdecken.
● Messgenauigkeit: Je nach Wartungs-, Prüf-, Entwicklungs- oder Qualitätsanforderung ist eine geeignete Genauigkeitsklasse zu wählen.
● D:S-Verhältnis: Besonders wichtig bei großen Messabständen und kleinen Zielobjekten.
● Emissionsgrad: Ein einstellbarer Emissionsgrad erhöht die Flexibilität bei unterschiedlichen Oberflächenmaterialien.
● Ansprechzeit: Relevant für schnelle Prüfungen und sich ändernde Temperaturen.
● Anzeigeauflösung: Gibt an, in welchen Temperaturschritten der Messwert angezeigt werden kann.
● High-/Low-Alarm: Hilfreich zur schnellen Erkennung von Grenzwertüberschreitungen.
● Data-Hold- oder Maximalwertfunktion: Unterstützt beim Erfassen und Vergleichen von Messergebnissen.
● Einsatzbedingungen: Umgebungstemperatur, Staub, Feuchtigkeit und allgemeine Arbeitsbedingungen sollten berücksichtigt werden.
Die Frage, ob ein Gerät über einen Laser verfügt, sollte daher nur ein Teil der Gesamtauswahl sein.
Was ist bei der Nutzung der Laserfunktion zu beachten?
Infrarot-Thermometer mit Laserzielhilfe sind komfortabel zu bedienen, dennoch sind grundlegende Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.
● Den Laser niemals direkt auf die Augen richten.
● Nicht längere Zeit in den Laserstrahl oder in starke Reflexionen blicken.
● Bei spiegelnden oder stark reflektierenden Oberflächen auf mögliche Reflexionsrichtungen achten.
● Den Laserpunkt nicht als Ersatz für die Bestimmung der Messfleckgröße anhand des D:S-Verhältnisses verwenden.
● Ein Laserpunkt auf dem Ziel bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Infrarot-Messfleck innerhalb des Zielobjekts liegt.
● Die Optik sauber halten, damit Staub, Öl oder Verschmutzungen die Erfassung der Infrarotstrahlung nicht beeinträchtigen.
FAQ
Ist ein Infrarot-Thermometer mit Laser genauer als ein Gerät ohne Laser?
Nicht grundsätzlich. Der Laser dient als Zielhilfe und ist nicht Bestandteil der Temperaturberechnung. Er kann Fehlmessungen durch falsches Anvisieren reduzieren, die eigentliche Messgenauigkeit hängt jedoch von Sensor, Optik, Kalibrierung, Emissionsgrad und Einsatzbedingungen ab.
Kann bei ausgeschaltetem Laser weiterhin gemessen werden?
Bei den meisten Modellen ja. Infrarot-Messsystem und Laserzielhilfe erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die konkrete Bedienung ist der jeweiligen Produktdokumentation zu entnehmen.
Zeigt der Laserpunkt exakt den Messfleck an?
Nein. Der Laserpunkt kennzeichnet hauptsächlich die Zielrichtung. Die tatsächliche Messfläche ergibt sich aus D:S-Verhältnis und Messabstand.
Ist ein Doppellaser immer besser als ein Einzellaser?
Nein. Ein Doppellaser kann zusätzliche Zielinformationen liefern. Entscheidend für die Eignung sind jedoch auch D:S-Verhältnis, Messbereich, Genauigkeit, Emissionsgrad und weitere Geräteeigenschaften.
Reicht ein Laser aus, um sehr kleine Objekte zu messen?
Nein. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass der tatsächliche Messfleck bei der verwendeten Entfernung kleiner als das Zielobjekt ist.
Erwärmt der Laser das Messobjekt?
Unter normalen Betriebsbedingungen bewirkt der schwache Ziellaser eines Infrarot-Thermometers bei üblichen industriellen Messobjekten keine relevante Temperaturänderung. Seine Aufgabe besteht ausschließlich in der optischen Zielunterstützung.
Fazit
Der wichtigste Vorteil eines Infrarot-Thermometers mit Laserzielhilfe liegt in einer einfacheren und eindeutigeren Ausrichtung bei der berührungslosen Temperaturmessung. Besonders bei größeren Entfernungen, kleinen Bauteilen, vielen Messpunkten sowie heißen oder schwer zugänglichen Anlagen kann die Laserzielhilfe die Arbeit deutlich erleichtern und praktische Fehlmessungen durch falsches Anvisieren reduzieren.
Dabei sollte klar zwischen drei Faktoren unterschieden werden: Der Laser zeigt die Zielrichtung, die Infrarotoptik bestimmt die tatsächlich erfasste Fläche und die Gerätespezifikation bestimmt die Messgenauigkeit.
Bei der Auswahl sollten Laserzielhilfe, Temperaturbereich, Genauigkeit, D:S-Verhältnis, Emissionsgrad, Ansprechzeit und tatsächliche Messentfernung gemeinsam bewertet werden. Für Wartung, Inspektion und Anwendungen mit präziser Zielzuordnung bietet ein Infrarot-Thermometer mit Laserzielhilfe in vielen Fällen einen deutlichen Bedienvorteil.















