Einleitung
Die Messeigenschaften eines Schallpegelmessers können sich im Laufe der Zeit verändern. Alterung des Mikrofons und elektronischer Komponenten, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, mechanische Belastungen oder anspruchsvolle Einsatzbedingungen können zu Messabweichungen führen.
Eine regelmäßige Kalibrierung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung bei professionellen Schallmessungen.
Wie oft ein Schallpegelmesser kalibriert werden sollte, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Für professionelle Messgeräte wird ein periodisches Kalibrierintervall von 12 Monaten häufig als praxisgerechter Ausgangspunkt verwendet. Das tatsächliche Intervall sollte jedoch an die Herstellervorgaben und die konkreten Einsatzbedingungen angepasst werden.
Das Wichtigste im Überblick
● Es gibt kein universelles Kalibrierintervall für alle Schallpegelmesser.
● Im professionellen Einsatz sind 12 Monate ein häufig verwendeter Richtwert.
● Bei intensiver Nutzung, schwierigen Umgebungsbedingungen oder besonders wichtigen Messungen kann ein kürzeres Intervall erforderlich sein.
● Nach Stößen, Reparaturen, Bauteilwechseln oder auffälligen Messergebnissen sollte das Gerät unabhängig vom vorgesehenen Termin überprüft werden.
● Periodische Laborkalibrierung und akustische Vor-Ort-Prüfung sind unterschiedliche Verfahren.
● Auch der verwendete Schallkalibrator muss über einen gültigen Kalibrierstatus verfügen.
Welches Kalibrierintervall ist bei Schallpegelmessern üblich?
Für Geräte, die bei Arbeitsplatzlärmmessungen, industriellen Prüfungen, Umweltlärmmessungen, technischen Untersuchungen oder vergleichbaren Anwendungen eingesetzt werden, sollte ein festgelegter Kalibrierplan bestehen.
Typische Vorgehensweisen sind:
● Alle 12 Monate: Ein häufig verwendetes Grundintervall für professionelle Schallpegelmesser.
● Alle 6 Monate oder häufiger: Sinnvoll bei sehr intensiver Nutzung, rauen Umgebungsbedingungen, häufigem Transport oder besonders hohen Anforderungen an die Messsicherheit.
● Gemäß Herstellervorgabe: Gibt der Hersteller, das Qualitätsmanagement oder eine projektspezifische Vorgabe ein bestimmtes Intervall vor, sollte dieses berücksichtigt werden.
IEC 61672-3 beschreibt Verfahren für periodische Prüfungen von Schallpegelmessern, die den entsprechenden Anforderungen für Geräte der Klasse 1 beziehungsweise Klasse 2 entsprechen sollen.
Ein jährliches Intervall sollte daher als verbreiteter Richtwert betrachtet werden und nicht als starre Regel für jedes Messgerät.
Wann sollte das Kalibrierintervall verkürzt werden?
Auch vor Ablauf des regulären Kalibriertermins kann eine zusätzliche Überprüfung oder Neukalibrierung sinnvoll sein.
Dies gilt insbesondere, wenn:
● das Gerät täglich oder sehr häufig eingesetzt wird;
● regelmäßig hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, Staub oder starke Vibrationen auftreten;
● der Schallpegelmesser häufig zwischen verschiedenen Messorten transportiert wird;
● Messgerät oder Mikrofon heruntergefallen oder einem Stoß ausgesetzt worden sind;
● Reparaturen durchgeführt oder Mikrofon beziehungsweise wichtige Messkomponenten ersetzt wurden;
● ungewöhnliche Messwertdrift oder eine schlechtere Wiederholbarkeit festgestellt wird;
● die Prüfung mit einem Schallkalibrator eine auffällige Abweichung zeigt;
● die Messergebnisse für Arbeitsplatzbeurteilungen, technische Abnahmen oder andere besonders relevante Anwendungen benötigt werden.
Das Kalibrierintervall sollte grundsätzlich dem Risiko einer Messwertdrift angepasst werden. Je anspruchsvoller die Einsatzbedingungen und je höher die Anforderungen an die Datenqualität, desto eher ist ein kürzeres Intervall sinnvoll.
Sind periodische Kalibrierung und die Prüfung vor jeder Messung dasselbe?
Nein.
In der Praxis werden zwei unterschiedliche Vorgänge häufig beide als „Kalibrierung“ bezeichnet: die periodische Kalibrierung und die akustische Vor-Ort-Prüfung.
● Periodische Kalibrierung: Sie wird üblicherweise von einem geeigneten Kalibrierlabor oder dem Hersteller durchgeführt. Dabei werden wesentliche akustische und elektronische Eigenschaften des Messgeräts geprüft und dokumentiert.
● Akustische Vor-Ort-Prüfung: Ein Schallkalibrator erzeugt am Mikrofon einen definierten Schalldruckpegel. Damit lässt sich kontrollieren, ob das Messgerät zum Zeitpunkt der Messung erwartungsgemäß reagiert.
Bei professionellen Schallmessungen ist es bewährte Praxis, den Schallpegelmesser vor Beginn und nach Abschluss einer Messung mit einem geeigneten Schallkalibrator zu überprüfen.
Eine aktuelle Laborkalibrierung ersetzt diese Vor-Ort-Prüfung daher nicht.
Warum sollte nach der Messung erneut geprüft werden?
Die Prüfung vor der Messung bestätigt den ordnungsgemäßen Zustand des Geräts zu Beginn. Die Prüfung nach der Messung hilft festzustellen, ob während des Einsatzes eine relevante Drift aufgetreten ist.
Während längerer Messungen können unter anderem folgende Einflüsse auftreten:
● deutliche Temperaturänderungen;
● Veränderungen der Luftfeuchtigkeit;
● veränderter Batteriezustand;
● Verunreinigung des Mikrofons;
● Stöße oder Vibrationen.
Stimmen die Prüfergebnisse vor und nach der Messung innerhalb der festgelegten Toleranzen überein, erhöht dies die Aussagekraft der aufgenommenen Messdaten.
Bei größeren Abweichungen sollte der Gerätezustand untersucht und gegebenenfalls geprüft werden, ob die erfassten Messwerte weiterhin verwendet werden können.
Muss ein lange nicht verwendeter Schallpegelmesser trotzdem kalibriert werden?
Das hängt vom vorgesehenen Einsatz ab.
Auch während einer längeren Lagerung können Mikrofon, Elektronik und andere Komponenten altern. Eine geringe Nutzung bedeutet daher nicht automatisch, dass die Messeigenschaften unverändert geblieben sind.
Für orientierende Messungen kann das Gerät nach längerer Lagerung zunächst mit einem geeigneten Schallkalibrator überprüft werden.
Soll das Gerät anschließend wieder für professionelle oder besonders genauigkeitskritische Messungen eingesetzt werden und ist sein reguläres Kalibrierintervall bereits überschritten, sollte vor dem Einsatz eine periodische Kalibrierung durchgeführt werden.
Die Kalibrierfrist sollte daher nicht ausschließlich anhand der Betriebsstunden bestimmt werden.
Muss auch der Schallkalibrator kalibriert werden?
Ja.
Ein Schallkalibrator dient zwar zur Überprüfung des Schallpegelmessers, ist aber selbst ein Referenzgerät. Hat sich sein Ausgangsschalldruckpegel verändert, kann eine scheinbar korrekte Anzeige des Schallpegelmessers zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen.
Deshalb sollte bei der Kalibrierverwaltung nicht nur der Schallpegelmesser, sondern auch der verwendete Schallkalibrator berücksichtigt werden.
Bei professionellen Anwendungen werden Schallkalibratoren ebenfalls regelmäßig kalibriert; ein jährliches Intervall ist dabei eine verbreitete Praxis.
Wie lässt sich ein geeigneter Kalibrierplan erstellen?
Unternehmen und Labore können für jedes Messgerät einen einfachen Kalibriernachweis führen. Sinnvolle Angaben sind:
● Modell und Seriennummer;
● Datum der letzten Kalibrierung;
● nächster geplanter Kalibriertermin;
● Kalibrierschein oder Prüfbericht;
● Angaben und Kalibrierstatus des Schallkalibrators;
● Ergebnisse der Prüfungen vor und nach Messungen;
● Reparatur-, Sturz- und Störungsprotokolle.
Für allgemeine professionelle Anwendungen kann zunächst ein Intervall von 12 Monaten festgelegt werden. Anschließend lässt sich anhand der Kalibrierhistorie beurteilen, ob dieses Intervall weiterhin angemessen ist.
Zeigt das Gerät über mehrere Kalibrierzyklen eine stabile Performance, kann das Intervall im Rahmen der Herstellervorgaben und des jeweiligen Qualitätssystems überprüft werden. Werden dagegen wiederholt größere Abweichungen festgestellt, sollte das Intervall verkürzt werden.
FAQ
Muss ein Schallpegelmesser jedes Jahr kalibriert werden?
Nicht zwingend. Zwölf Monate sind ein verbreitetes Intervall für professionelle Anwendungen. Maßgeblich sind jedoch Herstellervorgaben, Nutzungshäufigkeit, Einsatzbedingungen und die Anforderungen an die Messung.
Muss ein neuer Schallpegelmesser sofort kalibriert werden?
Liegt eine gültige Werksprüfung oder Kalibrierdokumentation vor, die für den vorgesehenen Einsatz geeignet ist, ist eine sofortige erneute Laborkalibrierung normalerweise nicht erforderlich. Vor dem Einsatz sollte der Gerätezustand dennoch überprüft werden.
Sollte ein heruntergefallener Schallpegelmesser neu kalibriert werden?
Mindestens eine Funktions- und akustische Prüfung sollte unmittelbar durchgeführt werden. Bei starkem Stoß, auffälligen Messwerten oder nicht bestandener Vor-Ort-Prüfung sollte das Gerät vor wichtigen Messungen fachgerecht überprüft oder neu kalibriert werden.
Muss der Schallpegelmesser vor jedem Einsatz ins Kalibrierlabor?
Nein. Die Laborkalibrierung erfolgt in festgelegten Intervallen. Vor und nach einzelnen Messungen kann eine akustische Prüfung mit einem geeigneten Schallkalibrator durchgeführt werden.
Kann ein Schallpegelmesser nach Ablauf der Kalibrierfrist weiterverwendet werden?
Das Gerät kann möglicherweise weiterhin Messwerte anzeigen. Für Anwendungen, bei denen Genauigkeit, Rückführbarkeit oder dokumentierte Messsicherheit erforderlich sind, sollte der Kalibrierstatus jedoch vor der weiteren Verwendung geklärt werden.
Kann nur der Schallpegelmesser kalibriert werden, nicht aber der Schallkalibrator?
Das ist nicht empfehlenswert. Auch der Schallkalibrator ist ein Referenzgerät und sollte über einen gültigen Kalibrierstatus verfügen.
Fazit
Für Schallpegelmesser gibt es kein universell gültiges Kalibrierintervall. Im professionellen Einsatz ist eine periodische Kalibrierung alle 12 Monate ein verbreiteter Ausgangspunkt, der entsprechend Nutzungshäufigkeit, Umgebungsbedingungen, Gerätestabilität, Herstellervorgaben und Messanforderungen angepasst werden kann.
Eine periodische Laborkalibrierung ersetzt jedoch nicht die akustische Prüfung vor und nach einer Messung. Die Kombination aus regelmäßiger Laborkalibrierung, Vor-Ort-Prüfung und konsequenter Geräteüberwachung bietet die beste Grundlage für dauerhaft zuverlässige Schallpegelmessungen.














