Einleitung
Eine Unterbrechung innerhalb der Isolation, eines Installationsrohrs, einer Wand oder eines Geräts ist durch Sichtprüfung häufig nicht erkennbar. Bei Wechselspannungsleitungen kann ein berührungsloser Spannungsprüfer das elektrische Wechselfeld eines spannungsführenden Leiters erkennen. Dadurch lässt sich unter geeigneten Bedingungen der Leitungsverlauf prüfen und der Bereich eingrenzen, in dem sich das Signal deutlich verändert.
Ein NCV-Prüfer sollte jedoch nur zur Eingrenzung des möglichen Fehlerbereichs verwendet werden. Eine präzise Lokalisierung jeder Leitungsunterbrechung ist damit nicht gewährleistet. Einbautiefe, Isolationsmaterial, benachbarte Leitungen, Abschirmung und Geräteempfindlichkeit können das Messergebnis beeinflussen.
Das Wichtigste
● Ein berührungsloser Spannungsprüfer erkennt das elektrische Feld um einen spannungsführenden Wechselstromleiter.
● Die Prüfung beginnt an einem sicher als spannungsführend bekannten Punkt und wird entlang der Leitung fortgesetzt.
● Ist die Anzeige zunächst stabil und wird anschließend deutlich schwächer oder verschwindet, kann die Unterbrechung zwischen diesen Positionen liegen.
● Hohe oder umschaltbare Empfindlichkeit erleichtert die Prüfung isolierter und verdeckt verlegter Leitungen, erhöht jedoch auch die Empfindlichkeit gegenüber benachbarten spannungsführenden Leitern.
● Die NCV-Prüfung dient nur der Vorlokalisierung. Vor Reparaturarbeiten muss die Anlage freigeschaltet und mit einem geeigneten Mess- oder Prüfverfahren kontrolliert werden.
Warum kann ein NCV-Spannungsprüfer eine Leitungsunterbrechung eingrenzen?
An einem mit Wechselspannung beaufschlagten Leiter entsteht ein wechselndes elektrisches Feld. Die Sensorelektronik des berührungslosen Spannungsprüfers erkennt dieses Feld und gibt bei ausreichender Feldstärke ein akustisches, optisches oder elektronisches Signal aus.
Ist ein Leiter vollständig unterbrochen, kann der Abschnitt zwischen Einspeisung und Unterbrechungsstelle weiterhin unter Spannung stehen. Der dahinterliegende, vollständig getrennte Leiterabschnitt erzeugt normalerweise ein deutlich schwächeres Feld.
Der Übergang von einem klar erkennbaren Signal zu einem deutlich schwächeren oder fehlenden Signal kann deshalb zur Eingrenzung der Unterbrechung genutzt werden.
Dies gilt jedoch nicht uneingeschränkt. Der getrennte Leiterabschnitt kann durch kapazitive Kopplung mit benachbarten spannungsführenden Leitungen eine induzierte beziehungsweise eingekoppelte Spannung aufweisen, auf die ein empfindlicher NCV-Prüfer weiterhin reagieren kann.
Wie lässt sich eine Leitungsunterbrechung mit einem NCV-Prüfer suchen?
● Funktion des Prüfgeräts kontrollieren. Den Spannungsprüfer zunächst an einer bekannten spannungsführenden Wechselspannungsquelle testen.
● Leitungsverlauf bestimmen. Anfang, Ende und möglichst auch den Verlauf der Leitung ermitteln. Bei verdeckter Installation können Installationspläne oder geeignete Ortungsgeräte hilfreich sein.
● Am spannungsführenden Ende beginnen. Die Prüfspitze an einem Punkt an die Isolation beziehungsweise Leitungsoberfläche annähern, an dem eine stabile Anzeige vorhanden ist.
● Langsam entlang der Leitung bewegen. Abstand und Ausrichtung des Prüfgeräts möglichst konstant halten und Veränderungen der Anzeige beobachten.
● Übergangsbereich bestimmen. Wird eine zuvor stabile Anzeige plötzlich deutlich schwächer oder verschwindet, den Bereich davor und dahinter mehrfach prüfen.
● Prüfabstände verkleinern. Den verdächtigen Abschnitt anschließend mit immer kürzeren Abständen untersuchen.
● Fehler mit einem anderen Verfahren bestätigen. Nach der Vorlokalisierung die Versorgung abschalten und die tatsächliche Unterbrechung beispielsweise mit Durchgangs- oder Widerstandsmessung bestätigen.
Bei einer einzelnen frei zugänglichen isolierten Ader ist dieses Verfahren meist einfacher als bei mehreren parallel verlegten Leitern, Unterputzleitungen oder abgeschirmten Kabeln.
Wie lässt sich die wahrscheinlichste Unterbrechungsstelle bestimmen?
Angenommen, die Leitung wird von der Einspeiseseite aus geprüft:
● Punkt A: stabile Anzeige;
● Punkt B: stabile Anzeige;
● Punkt C: Anzeige wird deutlich schwächer oder verschwindet;
● Punkt D: keine eindeutige Anzeige.
Unter vergleichbaren Prüfbedingungen liegt die Unterbrechung möglicherweise zwischen Punkt B und Punkt C.
Die Leitung sollte jedoch nicht unmittelbar geöffnet werden. Stattdessen wird der Abstand zwischen den Prüfpunkten innerhalb dieses Bereichs schrittweise verkleinert.
Verändert sich der Übergangspunkt bei wiederholten Prüfungen deutlich oder reagiert das Gerät auch in größerem Abstand von der Leitung, können Fremdfelder das Ergebnis beeinflussen. In diesem Fall reicht die NCV-Prüfung für eine genaue Lokalisierung nicht aus.
Warum kann der Spannungsprüfer hinter der Unterbrechung weiterhin anzeigen?
Dies ist eine häufige Ursache für Fehlinterpretationen.
Auch wenn der Leiter hinter der Unterbrechung nicht mehr direkt mit der Versorgung verbunden ist, kann er über eine längere Strecke parallel zu einem spannungsführenden Leiter verlaufen. Durch kapazitive Kopplung kann eine induzierte beziehungsweise sogenannte Phantomspannung entstehen.
Typische Ursachen sind:
● Parallele Verlegung mit einem Außenleiter;
● Mehrere Leiter im selben Installationsrohr oder Kabelkanal;
● Hohe NCV-Empfindlichkeit;
● Weitere spannungsführende Leitungen in derselben Wand;
● Keine vollständige Unterbrechung, sondern ein hochohmiger oder intermittierender Kontaktfehler.
Daher sollte nicht nur zwischen „Anzeige“ und „keine Anzeige“ unterschieden werden. Aussagekräftiger ist die reproduzierbare Veränderung der Signalstärke entlang der Leitung.
Für welche Anwendungen eignet sich diese Methode?
Die NCV-Methode eignet sich insbesondere für:
● Vorläufige Fehlersuche an üblichen Niederspannungs-Wechselstromleitungen;
● Einzelne isolierte Leiter oder ausreichend getrennte Leitungen;
● Verlängerungsleitungen, Anschlussleitungen und andere frei verfolgbare Kabel;
● Anwendungen mit bekanntem Einspeisepunkt;
● Situationen, in denen wiederholtes Freilegen der Leiter für Kontaktmessungen unpraktisch wäre.
Der wesentliche Vorteil liegt in der schnellen Vorprüfung ohne direkten Kontakt zu blanken Leitern.
Wann sollte man sich nicht ausschließlich auf einen NCV-Prüfer verlassen?
Die Ergebnisse können unter folgenden Bedingungen unzuverlässig sein:
● Mehrere Leiter liegen dicht nebeneinander;
● Leitungen sind tief unter Putz oder hinter dicken Baustoffen verlegt;
● Metallrohre, metallische Abschirmungen oder geschirmte Kabel werden verwendet;
● Starke elektromagnetische Störungen sind vorhanden;
● Eine sehr genaue Fehlerposition wird benötigt;
● Es handelt sich um einen Wackelkontakt oder eine hochohmige Verbindung statt um eine vollständige Unterbrechung;
● Es soll sicher festgestellt werden, dass die Leitung spannungsfrei ist.
Metallische Abschirmungen können das äußere elektrische Feld stark reduzieren und eine NCV-Erkennung erheblich erschweren.
Hilft eine höhere Empfindlichkeit bei der Fehlersuche?
Nicht grundsätzlich.
Eine höhere Empfindlichkeit kann bei dicker Isolation, größerem Abstand oder verdeckten Leitungen hilfreich sein. Gleichzeitig steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, schwache eingekoppelte Spannungen oder Felder benachbarter Leiter zu erfassen.
Bei einem Spannungsprüfer mit zwei oder mehreren Empfindlichkeitsstufen empfiehlt es sich, zunächst mit der niedrigeren Empfindlichkeit zu beginnen und nur bei zu schwachem Signal auf eine empfindlichere Stufe umzuschalten.
Für einen aussagekräftigen Vergleich sollten Prüfposition, Abstand, Ausrichtung und Empfindlichkeit möglichst konstant bleiben.
Was ist bei Leitungsunterbrechungen in Wänden zu beachten?
Die Wand vergrößert den Abstand zwischen Sensor und Leiter. Gleichzeitig verlaufen häufig mehrere Leitungen im selben Bereich, wodurch die Ortung schwieriger wird.
● Zunächst den wahrscheinlichen Leitungsverlauf bestimmen;
● Die Leitung kontinuierlich entlang ihres Verlaufs prüfen;
● Abstand des Prüfgeräts zur Wand möglichst konstant halten;
● Schalterdosen, Steckdosen, Abzweigdosen und Anschlussstellen besonders beachten;
● Mit Störeinflüssen benachbarter spannungsführender Leitungen rechnen;
● Bei fehlendem reproduzierbarem Signalübergang ein spezielles Leitungs- oder Fehlerortungsgerät verwenden.
Ein NCV-Prüfer kann den verdächtigen Bereich eingrenzen, bietet bei tief oder komplex verlegten Leitungen jedoch normalerweise keine zentimetergenaue Ortung.
Sicherheitshinweise
Da die Leitung für die Spannungsverfolgung teilweise unter Spannung stehen muss, ist besondere Vorsicht erforderlich.
● Isolation nicht entfernen, um ein stärkeres Signal zu erhalten;
● Keine blanken spannungsführenden Teile berühren;
● Spannungsbereich und CAT-Kategorie des Prüfgeräts müssen zur Anwendung passen;
● Funktionsprüfung vor und nach der Messung an einer bekannten Spannungsquelle durchführen;
● Eine fehlende NCV-Anzeige beweist nicht allein die Spannungsfreiheit;
● Vor dem Öffnen oder Reparieren der Leitung freischalten und mit einem geeigneten Prüfverfahren auf gefährliche Spannung prüfen.
Die NCV-Prüfung eignet sich zur schnellen Vorprüfung und Fehlereingrenzung, darf jedoch nicht als alleiniger Nachweis der Spannungsfreiheit verwendet werden.
FAQ
Kann ein berührungsloser Spannungsprüfer einen Kabelbruch tatsächlich finden?
Er kann den möglichen Fehlerbereich eingrenzen. Der Übergang von einem klaren zu einem schwachen oder fehlenden Signal kann auf den Bereich einer Unterbrechung hinweisen. Für eine exakte Ortung ist ein spezielles Fehlerortungsgerät zuverlässiger.
Warum wird hinter der Unterbrechung weiterhin Spannung angezeigt?
Durch kapazitive Kopplung mit benachbarten spannungsführenden Leitern kann auf dem getrennten Abschnitt eine induzierte Spannung entstehen.
Kann die Leitung nach der NCV-Ortung sofort repariert werden?
Nein. Die Versorgung muss zuerst sicher abgeschaltet und der Fehler mit einem geeigneten Mess- oder Prüfverfahren bestätigt werden.
Warum reagiert der Prüfer über die gesamte Leitungslänge?
Möglicherweise liegt hinter der Unterbrechung eine eingekoppelte Spannung an oder das Gerät erfasst benachbarte Leitungen. Dies tritt häufig bei gemeinsam verlegten Leitern auf.
Warum gibt es entlang der gesamten Leitung keine Anzeige?
Die Leitung kann spannungslos sein, die Unterbrechung kann bereits vor dem Startpunkt liegen, die Leitung kann abgeschirmt sein oder der Prüfbereich beziehungsweise die Empfindlichkeit kann ungeeignet sein. Zunächst sollte die Gerätefunktion an einer bekannten Spannungsquelle geprüft werden.
Kann eine Unterbrechung des Neutralleiters auf dieselbe Weise gesucht werden?
Nur eingeschränkt. Das elektrische Feld des Außenleiters ist gegenüber Erde normalerweise wesentlich ausgeprägter. Neutralleiterfehler sollten deshalb vorzugsweise mit einem Multimeter oder einem anderen geeigneten Kontaktmessverfahren untersucht werden.
Fazit
Ein berührungsloser Spannungsprüfer kann bei der Vorlokalisierung einer Leitungsunterbrechung in Wechselstromkreisen hilfreich sein. Wird die Leitung von einem bekannten spannungsführenden Punkt aus verfolgt, kann eine deutliche Veränderung der NCV-Anzeige den möglichen Fehlerbereich eingrenzen.
Kapazitive Kopplung, induzierte Spannungen, benachbarte Leiter, Wände und Abschirmungen können das Ergebnis jedoch beeinflussen. Das Verschwinden der Anzeige kennzeichnet daher nicht zwangsläufig die tatsächliche mechanische Unterbrechungsstelle.
Fehlerortung und Feststellung der Spannungsfreiheit sind zwei unterschiedliche Prüfaufgaben. Vor Reparaturarbeiten muss der Stromkreis freigeschaltet und mit einem geeigneten Verfahren überprüft werden.


















