Einleitung
Berührungslose Spannungsprüfer erfassen elektrische Wechselfelder und werden häufig verwendet, um Leitungen, Steckdosen, Kabel und elektrische Betriebsmittel schnell auf vorhandene Wechselspannung zu prüfen.
Dabei stellt sich häufig die Frage: Kann ein berührungsloser Spannungsprüfer auch den Schutzleiter erkennen?
Ein elektrisches Wechselfeld in der Nähe des Schutzleiters kann grundsätzlich erkannt werden. Entscheidend ist jedoch: Ein berührungsloser Spannungsprüfer kann nicht feststellen, ob der Schutzleiter ordnungsgemäß angeschlossen ist oder ob die Erdung zuverlässig funktioniert.
Bei einer intakten Schutzmaßnahme sollte der Schutzleiter normalerweise kein dauerhaft deutlich erhöhtes Potenzial führen. Zeigt der NCV-Prüfer am Schutzleiter ein Signal an, sollte die Ursache mit geeigneten Messmitteln überprüft werden.
Das Wichtigste im Überblick
● Ein berührungsloser Spannungsprüfer kann ein ausreichend starkes elektrisches Wechselfeld in der Nähe des Schutzleiters erkennen.
● Ein ordnungsgemäß angeschlossener Schutzleiter sollte normalerweise kein ähnlich starkes und stabiles Signal wie ein Außenleiter erzeugen.
● Eine Anzeige am Schutzleiter bedeutet nicht zwangsläufig, dass dort eine gefährliche Spannung anliegt. Ursache können auch induzierte Spannungen oder benachbarte spannungsführende Leiter sein.
● Mit einem NCV-Prüfer lassen sich weder die korrekte Schutzleiterverbindung noch der Erdungswiderstand bestimmen.
● Für die zuverlässige Prüfung der Schutzerdung sind geeignete kontaktierende Messgeräte oder spezielle Erdungsprüfgeräte erforderlich.
Wie erkennt ein berührungsloser Spannungsprüfer einen Schutzleiter?
Ein berührungsloser Spannungsprüfer misst nicht direkt die Spannung zwischen einem Leiter und Erde. Stattdessen erfasst seine Sensorelektronik das elektrische Wechselfeld, das sich um einen spannungsführenden Wechselstromleiter bildet.
Wird die Prüfspitze in die Nähe eines solchen Leiters gebracht, kann das elektrische Feld vom Gerät erkannt werden. Überschreitet das Signal die festgelegte Ansprechschwelle, erfolgt je nach Gerät eine akustische, optische oder kombinierte Warnung.
Bei einer Prüfung am Schutzleiter erfasst das Gerät daher:
● Ob sich in der Nähe des Leiters ein ausreichend starkes elektrisches Wechselfeld befindet;
● Nicht, ob der Leiter zuverlässig mit dem Erdungssystem verbunden ist.
NCV-Prüfer eignen sich deshalb für eine schnelle Spannungsorientierung, ersetzen jedoch keine fachgerechte Prüfung der Schutzerdung.
Sollte der Schutzleiter normalerweise eine Anzeige auslösen?
In einer fachgerecht installierten elektrischen Anlage mit funktionsfähiger Schutzerdung liegt der Schutzleiter normalerweise annähernd auf Erdpotenzial. Daher sollte er in der Regel kein ähnlich deutliches und stabiles NCV-Signal wie ein Außenleiter erzeugen.
Bei der Prüfung einer Steckdose kann typischerweise Folgendes beobachtet werden:
● Deutliche Anzeige in der Nähe des Außenleiters;
● Unter normalen Bedingungen keine oder nur geringe Anzeige am Neutralleiter;
● Unter normalen Bedingungen keine oder nur geringe Anzeige am Schutzleiter.
Diese Beobachtungen sind jedoch nicht allgemeingültig.
Das Messergebnis kann durch Empfindlichkeit, Leitungsanordnung, Isolationsstärke, Abstand und elektrische Felder benachbarter Leiter beeinflusst werden. Eine einzelne Anzeige oder Nichtanzeige reicht deshalb nicht aus, um die korrekte Verdrahtung zu beurteilen.
Warum kann der Spannungsprüfer am Schutzleiter trotzdem auslösen?
Eine NCV-Anzeige am Schutzleiter bedeutet nicht automatisch, dass ein schwerwiegender Fehler vorliegt. Mehrere Ursachen sind möglich.
● Elektrisches Feld eines benachbarten Außenleiters: Außenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter verlaufen häufig gemeinsam in Kabeln, Leitungsrohren oder Anschlussdosen. Bei hoher Empfindlichkeit kann der Prüfer das Feld des benachbarten Außenleiters erfassen.
● Induzierte Spannung: Parallel verlaufende Leiter können kapazitiv gekoppelt sein. Dadurch kann auch auf einem nicht direkt gespeisten Leiter eine geringe induzierte Spannung auftreten.
● Fehlerhafte Schutzleiterverbindung: Ein unterbrochener, falsch angeschlossener oder anderweitig beeinträchtigter Schutzleiter kann ein ungewöhnliches Potenzial aufweisen und sollte überprüft werden.
● Fehler in der elektrischen Anlage: Beschädigte Isolation, Verdrahtungsfehler oder Ableitströme eines Betriebsmittels können Spannung auf den Schutzleiter bringen.
● Hohe Geräteempfindlichkeit: Empfindliche NCV-Betriebsarten reagieren bereits auf schwache elektrische Felder und dadurch leichter auf benachbarte Leitungen oder induzierte Signale.
Eine Anzeige sollte deshalb als Anlass für eine weitere Prüfung verstanden werden und nicht unmittelbar als Nachweis eines spannungsführenden Schutzleiters.
Beweist eine fehlende Anzeige, dass der Schutzleiter in Ordnung ist?
Nein.
Dies ist eine wesentliche Einschränkung berührungsloser Spannungsprüfer bei der Prüfung von Schutzleitern.
Wenn das Gerät am Schutzleiter nicht auslöst, bedeutet dies lediglich, dass unter den aktuellen Prüfbedingungen kein elektrisches Wechselfeld oberhalb der Ansprechschwelle erkannt wurde. Eine intakte Schutzleiterverbindung wird dadurch nicht bestätigt.
Keine Anzeige kann beispielsweise auftreten, wenn:
● Der Schutzleiter ordnungsgemäß angeschlossen ist;
● Der Schutzleiter überhaupt nicht angeschlossen ist;
● Der Schutzleiter unterbrochen ist;
● Die Prüfspitze zu weit vom Leiter entfernt ist;
● Die Empfindlichkeit des Prüfgeräts nicht ausreicht;
● Kein ausreichend starkes elektrisches Feld vorhanden ist.
Eine fehlende NCV-Anzeige darf daher nicht als Nachweis einer funktionierenden Schutzerdung interpretiert werden.
Kann ein NCV-Prüfer feststellen, ob der Schutzleiter richtig angeschlossen ist?
Nein.
Die Hauptaufgabe eines berührungslosen Spannungsprüfers besteht in der Erkennung elektrischer Wechselfelder. Das Gerät ist weder für eine Durchgangsprüfung des Schutzleiters noch für die Messung des Erdungswiderstands ausgelegt.
Es kann nicht zuverlässig feststellen:
● Ob der Schutzleiter tatsächlich mit dem Erdungssystem verbunden ist;
● Ob innerhalb der Leitung eine Unterbrechung vorliegt;
● Ob die Anschlussstellen mechanisch sicher verbunden sind;
● Wie hoch der Erdungswiderstand ist;
● Ob die Schutzerdung die geltenden Sicherheitsanforderungen erfüllt.
Je nach Prüfaufgabe sind beispielsweise ein Multimeter, ein zweipoliger Spannungsprüfer, ein Steckdosenprüfgerät, ein Erdungswiderstandsmessgerät oder andere geeignete Fachmessgeräte erforderlich.
Was ist bei der Prüfung des Schutzkontakts einer Steckdose zu beachten?
Ein NCV-Prüfer kann an einer Steckdose zur ersten Orientierung eingesetzt werden. Die Anzeige darf jedoch nicht als alleiniger Nachweis für eine korrekte Verdrahtung verwendet werden.
● Prüfen Sie die Funktion des Geräts vor der Messung an einer bekannten Spannungsquelle.
● Vergleichen Sie die Anzeige an mehreren Positionen der Steckdose, anstatt sich auf eine einzelne Messung zu verlassen.
● Eine fehlende Anzeige am Schutzkontakt bestätigt nicht, dass der Schutzleiter ordnungsgemäß angeschlossen ist.
● Bei einer starken und dauerhaft auftretenden Anzeige am Schutzkontakt sollte der Zustand mit einem geeigneten kontaktierenden Messgerät überprüft werden.
● Besteht Verdacht auf Fehlverdrahtung, Ableitströme, Spannung am Schutzleiter oder einen Fehler der Schutzerdung, sollten die Arbeiten eingestellt und die Anlage von einer entsprechend qualifizierten Fachkraft geprüft werden.
Da die Leiter innerhalb einer Steckdose räumlich dicht beieinander liegen, kann eine NCV-Anzeige am Schutzkontakt auch durch das elektrische Feld des benachbarten Außenleiters verursacht werden.
FAQ
Ist es normal, dass ein NCV-Prüfer am Schutzleiter nicht auslöst?
Ja. Eine fehlende Anzeige kann normal sein, bestätigt jedoch keine intakte Schutzleiterverbindung. Auch ein nicht angeschlossener oder unterbrochener Schutzleiter kann keine Anzeige verursachen.
Bedeutet eine Anzeige am Schutzleiter, dass dieser unter Spannung steht?
Nicht zwingend. Ursache können induzierte Spannungen, ein benachbarter Außenleiter oder eine hohe Geräteempfindlichkeit sein. Für eine eindeutige Beurteilung kann eine kontaktierende Messung erforderlich sein.
Kann ein NCV-Prüfer feststellen, ob eine Steckdose einen funktionsfähigen Schutzleiter besitzt?
Nicht zuverlässig. Eine fehlende Anzeige am Schutzkontakt ist kein Nachweis dafür, dass ein wirksamer Schutzleiter vorhanden ist.
Kann ein berührungsloser Spannungsprüfer eine Unterbrechung des Schutzleiters erkennen?
In der Regel nicht zuverlässig. Da ein Schutzleiter im Normalbetrieb kein ausgeprägtes elektrisches Wechselfeld erzeugen sollte, kann eine Unterbrechung nicht anhand eines durchgehenden NCV-Signals sicher erkannt werden.
Wie lässt sich eine Schutzleiterverbindung zuverlässig überprüfen?
Je nach Prüfziel müssen Schutzleiterdurchgängigkeit, Spannungsverhältnisse oder Erdungswiderstand mit geeigneten kontaktierenden beziehungsweise speziellen Erdungsprüfgeräten geprüft werden. Arbeiten an festen elektrischen Anlagen sollten entsprechend den geltenden örtlichen Sicherheitsvorschriften durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen.
Fazit
Ein berührungsloser Spannungsprüfer kann elektrische Wechselfelder in der Nähe eines Schutzleiters erfassen und deshalb unter bestimmten Bedingungen dort eine Anzeige auslösen. Er erkennt jedoch elektrische Wechselfelder und nicht die Qualität der Erdungsverbindung selbst.
Ein ordnungsgemäß funktionierender Schutzleiter sollte normalerweise kein ebenso starkes und stabiles Signal wie ein Außenleiter erzeugen. Eine Anzeige kann durch benachbarte spannungsführende Leiter, induzierte Spannungen, Verdrahtungsfehler oder elektrische Störungen verursacht werden.
Umgekehrt bestätigt eine fehlende NCV-Anzeige nicht, dass die Schutzerdung intakt ist.
Der berührungslose Spannungsprüfer eignet sich daher vor allem zur schnellen Spannungsorientierung. Für die Prüfung der Schutzleiterdurchgängigkeit, der Erdungsverbindung oder des Erdungswiderstands sind geeignete professionelle Messgeräte erforderlich.




















