Was ist der Unterschied zwischen Schallpegelmessern der Klasse 1 und Klasse 2?

Herausgeber: Amy Veröffentlicht: 2026-01-31 Zuletzt aktualisiert: 2026-08-19 Lesezeit: 7Min. 0Sek.
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Einleitung

Bei der Auswahl eines Schallpegelmessers finden sich in den technischen Daten häufig die Bezeichnungen „Klasse 1“ und „Klasse 2“. Diese Klassifizierung beschreibt wesentliche Leistungsmerkmale des Messgeräts und ist ein wichtiges Kriterium dafür, ob ein Gerät für professionelle Geräuschmessungen geeignet ist.

Nach der Normenreihe IEC 61672 werden Schallpegelmesser anhand definierter Leistungsanforderungen klassifiziert. Geräte der Klasse 1 und Klasse 2 können beide den Schalldruckpegel messen, unterscheiden sich jedoch bei zulässigen Toleranzen, Frequenzgang und teilweise beim Verhalten unter bestimmten Umgebungsbedingungen.

Klasse 1 und Klasse 2 sollten nicht vereinfacht als „hohe Genauigkeit“ und „geringe Genauigkeit“ verstanden werden. Ebenso lässt sich die Klasse nicht allein anhand einer vom Hersteller angegebenen ±dB-Genauigkeit bestimmen. Die Klassifizierung umfasst eine Vielzahl elektroakustischer Leistungsmerkmale.


Das Wichtigste im Überblick

● Klasse 1 und Klasse 2 sind Leistungsgruppen für Schallpegelmesser gemäß IEC 61672;
● Klasse 1 weist in der Regel engere Toleranzen und einen größeren nutzbaren Frequenzbereich auf;
● Klasse 2 eignet sich für zahlreiche allgemeine industrielle Messungen, Umweltuntersuchungen und routinemäßige Geräuschmessungen;
● Klasse 1 wird häufig bei professionellen Messungen, akustischen Analysen und normativen Anwendungen mit höheren Anforderungen an die Messunsicherheit eingesetzt;
● Die Einstufung als Klasse 1 oder Klasse 2 basiert auf der Erfüllung der entsprechenden Normanforderungen und nicht auf einer einzelnen Genauigkeitsangabe;
● Die Auswahl sollte anhand von Messaufgabe, anzuwendender Norm, Frequenzbereich und Anforderungen an die Dokumentation erfolgen.


Was sind Schallpegelmesser der Klasse 1 und Klasse 2?

Klasse 1 und Klasse 2 bezeichnen üblicherweise Schallpegelmesser, die die jeweiligen Leistungsanforderungen der Normenreihe IEC 61672 erfüllen.

IEC 61672 definiert zahlreiche Eigenschaften, darunter Frequenzbewertung, Zeitbewertung, Pegellinearität, Frequenzgang sowie den Einfluss von Umgebungsbedingungen. Die Klasse beschreibt somit die Gesamtleistung eines Schallpegelmessers und nicht lediglich einen einzelnen Genauigkeitswert.

Grundsätzlich gilt:

Klasse 1: Engere zulässige Toleranzen und für anspruchsvollere professionelle akustische Messungen vorgesehen;
Klasse 2: Größere zulässige Toleranzen und für allgemeine Geräuschuntersuchungen, industrielle Kontrollen und routinemäßige Schallpegelmessungen geeignet.

Wenn die Anforderungen der jeweiligen Messaufgabe erfüllt werden, haben beide Klassen ihre Berechtigung. Nicht jede Messung erfordert ein Gerät der Klasse 1.


Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Klasse 1 und Klasse 2?

Der wichtigste Unterschied liegt in den von der Norm zugelassenen Leistungstoleranzen. Für Klasse 1 gelten engere Grenzwerte als für Klasse 2. Dadurch ist Klasse 1 für Messaufgaben mit höheren Anforderungen an die Geräteleistung ausgelegt.

Diese Unterschiede beziehen sich nicht nur auf einen festen Fehlerwert bei einem bestimmten Schalldruckpegel. Sie betreffen die Gesamtleistung bei unterschiedlichen Frequenzen, Pegeln und Umgebungsbedingungen.

Daher ist die Aussage, Klasse 1 sei grundsätzlich um einen bestimmten dB-Wert genauer als Klasse 2, technisch nicht korrekt. Die zulässige Abweichung hängt von der jeweiligen Prüfung nach IEC 61672, der Frequenz und den Prüfbedingungen ab.


Wie unterscheidet sich der Frequenzgang?

Der Frequenzgang ist eines der wichtigen Unterscheidungsmerkmale zwischen Klasse 1 und Klasse 2.

Reale Geräusche bestehen aus unterschiedlichen Frequenzanteilen. Ein Schallpegelmesser muss innerhalb eines festgelegten Frequenzbereichs definierte Toleranzen einhalten. Diese Toleranzen unterscheiden sich je nach Geräteklasse.

Klasse 1 unterliegt in der Regel strengeren Anforderungen an den Frequenzgang und kann die vorgeschriebenen Toleranzen über einen größeren Frequenzbereich erfüllen. Dadurch eignet sich diese Klasse besser für professionelle Messungen mit ausgeprägten tieffrequenten, hochfrequenten oder komplexen spektralen Anteilen.

Klasse 2 ist für typische Umgebungsgeräusche, Maschinenlärm und allgemeine industrielle Messungen häufig ausreichend. Bei anspruchsvollen Frequenzanalysen oder normgerechten Prüfungen ist jedoch die jeweilige Messnorm zu prüfen, um festzustellen, ob Klasse 1 vorgeschrieben ist.


Wie unterscheidet sich die Messgenauigkeit?

Die Aussage „Klasse 1 ist genauer als Klasse 2“ ist als vereinfachte Erklärung verständlich, technisch jedoch nicht vollständig.

Die Geräteklasse wird nicht allein durch eine Angabe wie ±0,5 dB oder ±1,0 dB bestimmt. Vielmehr definiert die Norm eine Reihe von Leistungsanforderungen unter unterschiedlichen Prüfbedingungen.

Da für Klasse 1 engere Toleranzen gelten, bietet sie unter vergleichbaren Bedingungen in der Regel ein höheres Leistungsniveau. Die tatsächliche Messgenauigkeit wird jedoch zusätzlich beeinflusst durch:

● Leistungsfähigkeit des Messgeräts;
● Eigenschaften des Messmikrofons;
● Akustischer Kalibrator und Kalibrierzustand;
● Messposition und Messabstand;
● Windgeschwindigkeit und verwendeter Windschutz;
● Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck;
● Hintergrundgeräusche;
● Reflexionsflächen und akustische Umgebung;
● Messverfahren und Bedienung.

Auch mit einem Schallpegelmesser der Klasse 1 können daher unzuverlässige Ergebnisse entstehen, wenn das Messverfahren nicht korrekt angewendet wird.


Wie unterscheidet sich das Verhalten unter Umgebungsbedingungen?

IEC 61672 berücksichtigt nicht nur die Leistung unter idealen Laborbedingungen, sondern auch den Einfluss definierter Umgebungsbedingungen auf das Messgerät.

Für Klasse 1 und Klasse 2 gelten bei bestimmten Umgebungsbedingungen unterschiedliche zulässige Abweichungen. Klasse 1 unterliegt dabei in der Regel strengeren Anforderungen.

Bei routinemäßigen Innenraummessungen oder allgemeinen Gerätekontrollen ist der praktische Unterschied möglicherweise gering. Bei professionellen Umweltgeräuschmessungen, Außenmessungen, Langzeitmessungen oder formalen Messberichten kann das Verhalten unter wechselnden Umgebungsbedingungen jedoch deutlich relevanter sein.

Unabhängig von der Geräteklasse sollte das Messgerät stets innerhalb der vom Hersteller angegebenen Temperatur-, Feuchte- und sonstigen Umgebungsgrenzen betrieben werden.


Für welche Anwendungen eignet sich Klasse 1?

Schallpegelmesser der Klasse 1 werden vor allem eingesetzt, wenn hohe Anforderungen an Messleistung, Messunsicherheit oder Normkonformität bestehen, beispielsweise bei:

● Professioneller Umweltgeräuschüberwachung;
● Bauakustischen Messungen;
● Akustischen Laborprüfungen;
● Produktgeräuschmessungen und Entwicklung;
● Akustischer Analyse von Maschinen und Anlagen;
● Professionellen Messungen mit Frequenzanalyse;
● Prüfungen, bei denen Vorschriften, Zertifizierungsverfahren oder Normen ausdrücklich Klasse 1 verlangen;
● Formellen akustischen Messberichten mit erhöhten technischen Anforderungen.

Ob Klasse 1 zwingend erforderlich ist, richtet sich nach der jeweils anzuwendenden Vorschrift, Prüfnorm, vertraglichen Vereinbarung oder technischen Spezifikation.


Für welche Anwendungen eignet sich Klasse 2?

Schallpegelmesser der Klasse 2 decken eine Vielzahl routinemäßiger Geräuschmessungen ab und bieten häufig ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung und Kosten.

Typische Anwendungen sind:

● Regelmäßige Maschinenlärmkontrollen in Produktionsbetrieben;
● Erste Beurteilungen von Geräuschen am Arbeitsplatz;
● Geräuschkontrollen an HLK-Anlagen;
● Geräuschkontrollen auf Baustellen;
● Allgemeine akustische Untersuchungen in Büros, Schulen und Gewerberäumen;
● Vergleichende Geräuschmessungen an Haushaltsgeräten und Maschinen;
● Ausbildung und Laborübungen;
● Wartung und Fehlersuche;
● Allgemeine Trendbeobachtung von Umweltgeräuschen.

Wenn Messungen hauptsächlich der Vor-Ort-Beurteilung, dem Gerätevergleich, der Trendanalyse oder der internen Qualitätskontrolle dienen und keine Norm Klasse 1 verlangt, ist Klasse 2 häufig die wirtschaftlichere Lösung.


Klasse 1 und Klasse 2 im Vergleich

Vergleichskriterium Klasse 1 Klasse 2
Leistungsgruppe Höher Standard
Normtoleranzen Enger Größer
Anforderungen an den Frequenzgang Strenger, in der Regel größerer Bereich Für allgemeine Messungen geeignet
Professionelle akustische Messungen Besonders geeignet Abhängig von den Anforderungen
Industrielle Routinekontrollen Geeignet In der Regel ausreichend
Umweltgeräuschmessungen Für professionelle Messungen geeignet Für allgemeine Untersuchungen geeignet
Labor und Entwicklung Besonders geeignet Für allgemeine Prüfungen geeignet
Normative oder behördliche Messungen Nach Vorgabe; häufig Klasse 1 Nur wenn die Anforderungen dies zulassen
Gerätekosten In der Regel höher In der Regel niedriger
Typische Anwender Akustikingenieure, Labore, professionelle Prüfdienstleister Instandhaltung, Außendienst, allgemeine Umweltmessungen

Die Tabelle dient der schnellen Orientierung. Die endgültige Auswahl sollte stets anhand der anzuwendenden Prüfnorm und der Projektanforderungen erfolgen.


Ist Klasse 1 immer die bessere Wahl?

Nein.

Wenn eine Prüfnorm ausdrücklich Klasse 1 verlangt, muss ein entsprechend konformes Gerät verwendet werden. Für Wartungsarbeiten, routinemäßige Geräuschkontrollen oder allgemeine Umweltuntersuchungen kann ein Gerät der Klasse 2 jedoch vollständig ausreichend sein.

Bei der Instandhaltung kann beispielsweise lediglich geprüft werden, ob sich das Betriebsgeräusch eines Motors gegenüber dem Vormonat deutlich erhöht hat. Bei solchen Trendmessungen sind reproduzierbare Messposition, Abstand, Geräteeinstellungen und Umgebungsbedingungen häufig wichtiger als die Wahl der höchsten Geräteklasse.

Entscheidend ist daher, dass der Schallpegelmesser die Anforderungen der Messaufgabe und der anzuwendenden Norm erfüllt.


Wie lässt sich prüfen, ob ein Gerät Klasse 1 oder Klasse 2 entspricht?

Beim Kauf eines Schallpegelmessers sollte die Geräteklasse nicht allein anhand von Werbeaussagen wie „hochpräzise“, „professionell“ oder einer einzelnen ±dB-Angabe beurteilt werden.

Wichtige Punkte sind:

● Ist ausdrücklich angegeben, dass das Produkt die relevanten Anforderungen von IEC 61672 erfüllt?
● Gibt der Hersteller eindeutig Klasse 1 oder Klasse 2 an?
● Enthält die technische Dokumentation Angaben zur anzuwendenden Norm?
● Sind für das Projekt erforderliche Typprüf-, Kalibrier- oder sonstige technische Unterlagen verfügbar?
● Ist für die Messung ein geeigneter akustischer Kalibrator erforderlich?
● Werden die Unterlagen bei behördlichen, zertifizierungsrelevanten oder unabhängigen Prüfungen anerkannt?

Eine Anzeigeauflösung von „0,1 dB“ bedeutet nicht, dass ein Gerät Klasse 1 entspricht. Anzeigeauflösung und normgerechte Geräteklasse sind unterschiedliche Kenngrößen.


Klasse 1 oder Klasse 2 – welche Auswahl ist sinnvoll?

Ausgangspunkt sollte immer die Messaufgabe sein, nicht der Gerätepreis.

Für Anlagenkontrollen, allgemeine industrielle Geräuschmessungen, Schulungszwecke oder grundlegende Umweltuntersuchungen ist Klasse 2 häufig ausreichend.

Für professionelle Umweltgeräuschmessungen, akustische Planung, Produktentwicklung, Laborprüfungen oder Projekte mit hohen Anforderungen an die Messunsicherheit ist Klasse 1 in der Regel die geeignetere Wahl.

Sollen die Messergebnisse für gesetzliche Nachweise, Zertifizierungen, Streitfälle oder formelle Prüfberichte verwendet werden, muss zunächst die anzuwendende Vorschrift oder Norm geprüft werden. Dort können Geräteklasse, Kalibrierverfahren, Messposition, Zeitbewertung, Frequenzbewertung und Datenauswertung ausdrücklich festgelegt sein.


FAQ

Ist ein Schallpegelmesser der Klasse 1 immer genauer als ein Gerät der Klasse 2?
Nach den normativen Leistungsanforderungen gelten für Klasse 1 engere Toleranzen, sodass diese Geräte grundsätzlich ein höheres Leistungsniveau bieten. Die tatsächliche Messgenauigkeit hängt jedoch auch von Kalibrierung, Messposition, Umgebungsbedingungen und Messverfahren ab.

Kann ein Schallpegelmesser der Klasse 2 für Geräuschmessungen in Fabriken verwendet werden?
Ja. Klasse 2 wird häufig für Maschinenkontrollen, allgemeine industrielle Untersuchungen und routinemäßige Geräuschmessungen eingesetzt. Bei rechtlich relevanten Arbeitsplatzmessungen sind jedoch die jeweils geltenden Vorschriften und Messnormen zu beachten.

Bedeutet eine Auflösung von 0,1 dB automatisch Klasse 1?
Nein. 0,1 dB bezeichnet üblicherweise lediglich die Anzeigeauflösung. Daraus lässt sich keine Konformität mit Klasse 1 ableiten. Die Klassifizierung nach IEC 61672 basiert auf einer Vielzahl von Leistungskriterien.

Unterscheiden sich Klasse 1 und Klasse 2 beim Messbereich?
Nicht zwingend. Der Messbereich ist eine produktspezifische Eigenschaft und kein alleiniges Unterscheidungsmerkmal. Zwei Geräte können einen ähnlichen Messbereich besitzen und dennoch unterschiedlichen Klassen angehören.

Müssen sowohl Geräte der Klasse 1 als auch der Klasse 2 kalibriert werden?
Ja. Wenn zuverlässige und rückführbare Messergebnisse erforderlich sind, sollten akustische Vor-Ort-Kalibrierungen und regelmäßige Kalibrierungen gemäß Geräteanleitung, Messnorm und Projektanforderungen durchgeführt werden.

Sollte beim Kauf grundsätzlich Klasse 1 gewählt werden?
Nein. Für allgemeine industrielle Kontrollen und grundlegende Geräuschuntersuchungen reicht Klasse 2 häufig aus. Klasse 1 ist sinnvoll, wenn professionelle akustische Messungen durchgeführt werden oder die anzuwendende Norm ausdrücklich Klasse 1 verlangt.


Zusammenfassung

Der wesentliche Unterschied zwischen Klasse 1 und Klasse 2 liegt in den nach IEC 61672 festgelegten Leistungsanforderungen und zulässigen Toleranzen. Für Klasse 1 gelten strengere Anforderungen, wodurch sich diese Geräte besonders für professionelle akustische Messungen, technische Analysen, Laborprüfungen und Anwendungen mit höheren Anforderungen an die Messunsicherheit eignen. Klasse 2 deckt zahlreiche industrielle Routinekontrollen, grundlegende Umweltuntersuchungen und allgemeine Geräuschmessungen ab.

Bei der Auswahl eines Schallpegelmessers sollten nicht nur eine ±dB-Angabe oder die Anzeigeauflösung berücksichtigt werden. Entscheidend sind die anzuwendende Norm, die Messaufgabe, der benötigte Frequenzbereich, die Kalibrieranforderungen und die spätere Verwendung der Messergebnisse.

Bei regulatorischen, zertifizierungsrelevanten oder formellen Prüfungen sollte vor der Geräteauswahl geprüft werden, welche Schallpegelmesserklasse die jeweilige Norm verlangt.

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