Einleitung
Ein Schallpegelmessgerät dient zur Messung des Schalldruckpegels und zeigt das Ergebnis in der Regel in Dezibel (dB) an. Es wird unter anderem in Industrieanlagen, Gebäuden, Arbeitsbereichen, Schulen, öffentlichen Einrichtungen, bei der Maschinenwartung und bei der Beurteilung von Umgebungslärm eingesetzt.
Auf den ersten Blick scheint die Messung einfach: Gerät einschalten und Messwert ablesen. In der Praxis können jedoch eine ungeeignete Frequenzbewertung, falsche Zeitbewertung, eine ungünstige Mikrofonposition oder unterschiedliche Messrichtungen selbst unter vergleichbaren Bedingungen deutlich unterschiedliche Ergebnisse verursachen.
Eine korrekte Messung bedeutet daher mehr, als lediglich einen dB-Wert abzulesen. Die Einstellungen müssen zum Messziel passen, und Einflüsse durch den Bediener, Wind, reflektierende Flächen oder andere Umgebungsfaktoren sollten möglichst reduziert werden.
Wichtige Punkte
● Vor der Messung Gerät, Batterie, Mikrofon und Einstellungen kontrollieren;
● A- oder C-Bewertung passend zum Messziel auswählen;
● FAST oder SLOW entsprechend dem zeitlichen Verhalten des Geräuschs einstellen;
● Mikrofon nicht durch Körper, Kleidung oder Gegenstände abschatten;
● Bei Außenmessungen oder deutlicher Luftströmung einen geeigneten Windschutz verwenden;
● Bei wichtigen Messungen einen repräsentativen Zeitraum beobachten und nicht nur einen einzelnen Momentanwert erfassen;
● Messungen für behördliche, arbeitsplatzbezogene oder professionelle akustische Bewertungen nach dem jeweils anzuwendenden Verfahren durchführen.
Was sollte vor der Messung geprüft werden?
Vor Beginn sollte sichergestellt werden, dass das Messgerät ordnungsgemäß funktioniert. Eine sorgfältige Vorbereitung vermeidet viele vermeidbare Messfehler.
● Gerätezustand prüfen: Gehäuse, Display, Bedienelemente und Mikrofon auf sichtbare Beschädigungen kontrollieren. Das Mikrofon darf nicht verdeckt, verschmutzt oder mechanisch beschädigt sein.
● Batteriezustand kontrollieren: Für längere Messungen sollte ausreichend Batteriekapazität vorhanden sein.
● Messbereich prüfen: Falls der Messbereich manuell gewählt werden muss, sollte er dem erwarteten Schallpegel entsprechen. Ein zu niedriger Bereich kann zu Übersteuerung führen.
● Frequenz- und Zeitbewertung kontrollieren: Prüfen, ob A oder C sowie FAST oder SLOW eingestellt ist. Einstellungen einer vorherigen Messung sollten nicht ungeprüft übernommen werden.
● Kalibrierstatus prüfen: Für Messungen mit höheren Genauigkeitsanforderungen, Langzeitmessungen oder formale Prüfungen kann eine Funktions- beziehungsweise Kalibrierkontrolle mit einem geeigneten Schallkalibrator durchgeführt werden.
Wie wird die richtige Frequenzbewertung ausgewählt?
Viele Schallpegelmessgeräte bieten A- und C-Bewertung. Beide Bewertungsfilter berücksichtigen Frequenzen unterschiedlich, weshalb ein Messwert immer zusammen mit der verwendeten Bewertung betrachtet werden sollte.
● A-Bewertung (dBA): Gewichtet Frequenzen entsprechend der frequenzabhängigen Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs unter vielen üblichen Schallpegelbedingungen. Sie wird häufig für Umgebungs-, Arbeitsplatz- und allgemeine Geräuschmessungen verwendet.
● C-Bewertung (dBC): Besitzt einen flacheren Frequenzgang und bewertet tiefe Frequenzen deutlich weniger abgeschwächt als die A-Bewertung. Sie wird unter anderem bei hohen Pegeln, stark tieffrequenten Geräuschen und bestimmten Maschinen- oder Spitzenpegelbewertungen eingesetzt.
Für allgemeine Umgebungsmessungen wird häufig die A-Bewertung verwendet. Sind in einer Messvorschrift konkrete Einstellungen festgelegt, haben diese Vorrang.
dBA- und dBC-Werte beruhen auf unterschiedlichen Bewertungsbedingungen und sollten deshalb nicht ohne Berücksichtigung der jeweiligen Einstellung direkt miteinander verglichen werden.
Wann werden FAST und SLOW verwendet?
Geräusche verändern sich häufig im Zeitverlauf. Die Zeitbewertung bestimmt, wie schnell das Messgerät auf diese Änderungen reagiert.
● FAST: Reagiert schneller auf Pegeländerungen und eignet sich zur Beobachtung rascher Schwankungen. Die Anzeige verändert sich entsprechend stärker.
● SLOW: Glättet kurzfristige Änderungen stärker und erzeugt dadurch eine ruhigere, leichter ablesbare Anzeige.
Bei relativ konstant laufenden Maschinen oder gleichmäßigem Hintergrundgeräusch kann SLOW die Beobachtung erleichtern. Soll eine schnellere Pegeländerung sichtbar werden, ist FAST häufig zweckmäßiger.
Maßgeblich bleiben immer Messziel und anzuwendendes Messverfahren.
Wo sollte das Schallpegelmessgerät positioniert werden?
Die Messposition hat erheblichen Einfluss auf das Ergebnis. Selbst geringe Ortsänderungen können in einem Raum zu anderen Pegelwerten führen.
Zunächst ist festzulegen, welcher Zustand bewertet werden soll. Bei einer arbeitsplatzbezogenen Messung sollte die Position die tatsächliche Schallbelastung der Person möglichst repräsentativ erfassen. Bei Maschinenmessungen sollte ein vorgegebener oder definierter Messabstand eingehalten werden.
Dabei gilt:
● Mikrofon nicht mit Hand, Kleidung oder Gegenständen abdecken;
● Bediener möglichst nicht zwischen Hauptschallquelle und Mikrofon positionieren;
● Mikrofon ohne besondere Vorgabe nicht unnötig nahe an Wänden, Tischen, Böden oder großen Maschinenflächen platzieren;
● Bei Wiederholungsmessungen Position, Höhe, Abstand und Ausrichtung möglichst konstant halten;
● Vergleichsmessungen unter möglichst identischen Bedingungen durchführen.
In Innenräumen können Wände, Decken, Böden und große Gegenstände Schall reflektieren. Unterschiedliche Messwerte an verschiedenen Positionen bedeuten daher nicht automatisch, dass das Gerät fehlerhaft ist.
In welche Richtung sollte das Mikrofon zeigen?
Das Mikrofon erfasst das Schallsignal. Je nach Bauart des Mikrofons und des Schallpegelmessgeräts kann die Ausrichtung das Messergebnis beeinflussen.
Die vom Hersteller angegebene Bezugsrichtung des jeweiligen Geräts sollte daher eingehalten werden.
Bei allgemeinen Feldmessungen sollte das Mikrofon frei bleiben und nicht durch Hand oder Körper abgeschattet werden. Für Vergleichs- und Wiederholungsmessungen ist eine gleichbleibende Ausrichtung wichtig.
Wenn ein Prüfverfahren einen bestimmten Winkel zwischen Schallquelle und Mikrofon vorgibt, sollte diese Vorgabe konsequent eingehalten werden.
Wie wird eine Schallpegelmessung korrekt durchgeführt?
Nach Kontrolle des Geräts und Auswahl der Einstellungen kann eine typische Messung wie folgt durchgeführt werden:
● Schallpegelmessgerät einschalten und Betriebsbereitschaft prüfen;
● Gegebenenfalls geeigneten Messbereich einstellen;
● Erforderliche Frequenzbewertung A oder C auswählen;
● FAST oder SLOW einstellen;
● Gerät am vorgesehenen Messpunkt positionieren oder dort halten;
● Sicherstellen, dass das Mikrofon nicht verdeckt wird;
● Körperposition so wählen, dass der Bediener das Schallfeld möglichst wenig beeinflusst;
● Messwert ausreichend lange beobachten beziehungsweise stabilisieren lassen;
● Pegel und relevante Messbedingungen dokumentieren;
● Bei stark schwankendem Geräusch länger messen oder Messung wiederholen.
Bei deutlich schwankenden Geräuschen ist ein einzelner Momentanwert häufig nicht repräsentativ. Je nach Gerät und Messziel können MAX-, MIN-, Mittelungs- oder Integrationsfunktionen sinnvoll sein.
Warum sollte der Körper das Mikrofon nicht abschatten?
Der menschliche Körper, Maschinen, Möbel und Wände können Schallwellen reflektieren, abschirmen oder streuen.
Steht der Bediener zu nahe am Mikrofon oder zwischen Mikrofon und Hauptschallquelle, kann das Schallfeld am Messpunkt verändert werden.
Das Gerät sollte deshalb entsprechend der vorgesehenen Bedienposition gehalten werden. Für länger dauernde oder besonders reproduzierbare Messungen kann das Schallpegelmessgerät beziehungsweise Mikrofon auf einem Stativ befestigt werden.
Warum ist bei Außenmessungen ein Windschutz sinnvoll?
Ein Mikrofon reagiert nicht nur auf Schall, sondern kann auch durch Luftströmungen beeinflusst werden. Turbulenzen am Mikrofon können zusätzlichen Störpegel erzeugen.
Dies ist insbesondere im Freien, vor Lüftungsöffnungen oder in Bereichen mit deutlicher Luftbewegung relevant.
Ein geeigneter Mikrofon-Windschutz kann diesen Einfluss reduzieren.
Ein Windschutz beseitigt jedoch nicht sämtliche Umwelteinflüsse. Starker Wind, Niederschlag oder Bedingungen außerhalb des spezifizierten Betriebsbereichs können das Messergebnis weiterhin beeinflussen.
Warum beeinflussen Umgebungsbedingungen das Messergebnis?
Neben der eigentlichen Schallquelle können verschiedene Umgebungsfaktoren relevant sein.
● Wind: Kann zusätzliche Strömungsgeräusche am Mikrofon verursachen;
● Reflexionen: Wände, Böden und Maschinen verändern das lokale Schallfeld;
● Hintergrundgeräusch: Liegt dessen Pegel nahe am Pegel der Zielquelle, lässt sich deren einzelner Beitrag aus dem Gesamtpegel nur eingeschränkt bestimmen;
● Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Innerhalb des spezifizierten Betriebsbereichs meist unkritisch, außerhalb davon jedoch potenziell relevant;
● Elektromagnetische Umgebung: Starke elektromagnetische Störungen können elektronische Messgeräte beeinflussen.
Für Vergleichsmessungen sollten die Bedingungen möglichst konstant gehalten und relevante Abweichungen dokumentiert werden.
Warum reicht ein einzelner Momentanwert nicht aus?
Viele Geräuschquellen sind zeitlich nicht konstant. Fahrzeuge, Sprache, Maschinenstarts oder Laständerungen führen zu schwankenden Pegeln.
Ein einzelner Messwert kann zufällig während eines kurzzeitigen Maximums oder Minimums erfasst werden und ist daher möglicherweise nicht repräsentativ.
Für allgemeine Kontrollen sollte der Pegel über einen angemessenen Zeitraum beobachtet werden. Bei stärker schwankenden Geräuschen können MAX, MIN, statistische oder integrierende Funktionen geeigneter sein.
Soll die Gesamtbelastung über einen definierten Zeitraum bewertet werden, kann beispielsweise der äquivalente Dauerschallpegel Leq erforderlich sein. Parameter und Messdauer richten sich nach dem jeweiligen Messziel.
Welche Informationen sollten dokumentiert werden?
Ein einzelner dB-Wert reicht für eine nachvollziehbare Dokumentation normalerweise nicht aus.
Empfohlen werden mindestens:
● Datum und Uhrzeit;
● Messort;
● Hauptschallquelle;
● Messposition und Abstand;
● Frequenzbewertung, zum Beispiel dBA oder dBC;
● Zeitbewertung, zum Beispiel FAST oder SLOW;
● Messbereich;
● Repräsentativer Messwert;
● Gegebenenfalls MAX, MIN oder Leq;
● Gerätemodell und relevante Kalibrierinformationen;
● Umgebungsbedingungen mit möglichem Einfluss auf das Ergebnis.
Eine vollständige Dokumentation ist besonders wichtig, wenn Messwerte verschiedener Zeitpunkte, Maschinen oder Bereiche miteinander verglichen werden sollen.
Welche Fehler treten bei Schallpegelmessungen häufig auf?
● A-/C-Bewertung nicht kontrolliert: Unterschiedliche Bewertungen können unterschiedliche Pegelwerte ergeben.
● FAST/SLOW nicht berücksichtigt: Die Zeitbewertung beeinflusst das Anzeigeverhalten bei schwankenden Geräuschen.
● Mikrofon verdeckt: Hand, Kleidung oder Gegenstände verändern die Schalleinwirkung.
● Messposition verändert: Abweichende Entfernung, Höhe oder Orientierung können zu anderen Ergebnissen führen.
● Wind nicht berücksichtigt: Luftströmung kann zusätzliche Mikrofonstörungen verursachen.
● Nur einen Momentanwert aufgezeichnet: Dieser repräsentiert schwankende Geräusche häufig nicht ausreichend.
● Messwerte unterschiedlicher Bedingungen direkt verglichen: Unterschiede bei Bewertung, Abstand, Betriebszustand oder Umgebung müssen berücksichtigt werden.
Wann sollte ein Schallpegelmessgerät kalibriert werden?
Als Messgerät sollte ein Schallpegelmessgerät regelmäßig überprüft und entsprechend den Anforderungen kalibriert werden.
Für allgemeine Kontrollen sind die vom Hersteller empfohlenen Wartungs- und Kalibrierintervalle maßgeblich. Professionelle Messungen, Langzeitüberwachungen oder Anwendungen mit höheren Genauigkeitsanforderungen erfordern in der Regel ein strengeres Kalibriermanagement.
Vor einer Messung kann ein geeigneter Schallkalibrator zur Funktions- oder Kalibrierkontrolle eingesetzt werden. Bei bestimmten professionellen Verfahren wird zusätzlich nach der Messung kontrolliert, ob während des Messzeitraums eine relevante Drift aufgetreten ist.
Kalibrierintervalle, Anforderungen an den Kalibrator und zulässige Abweichungen sollten den Geräteunterlagen, internen Qualitätsvorgaben oder dem anzuwendenden Messverfahren entsprechen.
Wie lässt sich die Zuverlässigkeit der Messung verbessern?
Zuverlässige Ergebnisse setzen ein möglichst einheitliches Messverfahren voraus.
● Für Vergleichsmessungen gleiche Frequenz- und Zeitbewertung verwenden;
● Position, Höhe, Ausrichtung und Abstand konstant halten;
● Betriebszustand der Schallquelle möglichst gleich halten;
● Unnötige Personenbewegungen und temporäre Störgeräusche vermeiden;
● Bei starken Schwankungen Messdauer verlängern;
● Wichtige Messungen wiederholen und Bedingungen vollständig dokumentieren;
● Erforderliche Kalibrier- und Funktionskontrollen durchführen.
Erst bei vergleichbaren Messbedingungen lassen sich Ergebnisse verschiedener Zeitpunkte, Maschinen oder Messorte sinnvoll gegenüberstellen.
FAQ
Sollte für Geräuschmessungen A- oder C-Bewertung verwendet werden?
Für allgemeine Umgebungs- und viele Routinegeräuschmessungen wird häufig die A-Bewertung verwendet. C-Bewertung kann bei hohen Pegeln, ausgeprägtem Tieffrequenzanteil oder speziellen Prüfanforderungen sinnvoll sein.
Sollte FAST oder SLOW gewählt werden?
FAST reagiert schneller auf Pegeländerungen, während SLOW eine ruhigere Anzeige liefert. Die Auswahl richtet sich nach Geräuschcharakteristik und Messziel.
Wie weit sollte das Schallpegelmessgerät von der Geräuschquelle entfernt sein?
Es gibt keinen universell gültigen Abstand. Er hängt vom Messziel, der Schallquelle und dem anzuwendenden Messverfahren ab. Bei Vergleichsmessungen sollte der Abstand konstant bleiben.
Warum schwankt der dB-Wert am selben Ort?
Reale Geräuschumgebungen verändern sich laufend durch Maschinen, Personen, Verkehr, Luftbewegung und andere Quellen. Schwankungen sind daher grundsätzlich normal.
Ist im Freien immer ein Windschutz erforderlich?
Bei wahrnehmbarer Luftbewegung ist ein geeigneter Windschutz empfehlenswert. Bei sehr geringer Windgeschwindigkeit hängt der Einsatz vom Gerät und Messziel ab.
Kann eine Smartphone-App ein professionelles Schallpegelmessgerät ersetzen?
Smartphone-Apps können grobe Orientierungswerte liefern. Mikrofoncharakteristik, Signalverarbeitung und Kalibrierstatus unterscheiden sich jedoch zwischen Geräten. Für definierte Genauigkeit und reproduzierbare Messungen sollte ein geeignetes Schallpegelmessgerät verwendet werden.
Muss vor jeder Messung kalibriert werden?
Das hängt von der Anwendung ab. Professionelle oder besonders genaue Messungen können eine Kontrolle vor und gegebenenfalls nach der Messung erfordern.
Fazit
Die korrekte Verwendung eines Schallpegelmessgeräts beginnt mit einem klar definierten Messziel und reproduzierbaren Messbedingungen. Vor der Messung sollten Gerätezustand, Frequenzbewertung, Zeitbewertung und Messbereich geprüft werden. Während der Messung sind insbesondere Mikrofonposition, Ausrichtung sowie mögliche Einflüsse durch Wind, den Bediener, Reflexionen und Hintergrundgeräusche zu berücksichtigen.
Bei schwankenden Geräuschen sollte nicht ausschließlich ein einzelner Momentanwert betrachtet werden. Je nach Aufgabe können längere Beobachtungszeiten sowie MAX-, MIN- oder Leq-Werte aussagekräftiger sein.
Sollen Messungen miteinander verglichen werden, müssen Geräteeinstellungen, Betriebszustand der Schallquelle, Messabstand, Position und Umgebungsbedingungen möglichst konstant gehalten werden. Für formale Arbeitsplatz-, Umwelt- oder andere professionelle Bewertungen sind zusätzlich die jeweils anzuwendenden Messverfahren und Standards zu beachten.






