Einleitung
Ein herkömmliches Infrarot-Thermometer beantwortet in erster Linie die Frage: „Wie hoch ist die Temperatur jetzt?“ Ein Gerät mit Datenaufzeichnung ermöglicht darüber hinaus Antworten auf Fragen wie: „Welcher Wert wurde zuvor gemessen?“, „Wie hat sich die Temperatur verändert?“ oder „Wie unterscheiden sich verschiedene Messstellen?“
Bei Anlageninspektionen, Prozessüberwachung, HVAC-Prüfungen, Qualitätskontrollen und anderen industriellen Anwendungen, bei denen Messwerte dokumentiert werden müssen, kann die Datenaufzeichnung einen deutlichen praktischen Nutzen bieten. Werden dagegen nur gelegentlich Oberflächentemperaturen an Motoren, Rohrleitungen, Klimaanlagen oder anderen Objekten geprüft, ist diese Zusatzfunktion möglicherweise nicht erforderlich.
Entscheidend ist daher nicht die Anzahl der Funktionen, sondern ob Messdaten nach der Messung gespeichert, verglichen oder ausgewertet werden müssen.
Wichtige Punkte
● Die Datenaufzeichnung dient in erster Linie zur Speicherung mehrerer Temperaturwerte für eine spätere Prüfung, einen Vergleich oder eine Auswertung.
● Die Datenaufzeichnung selbst verbessert nicht die Messgenauigkeit des Infrarot-Thermometers.
● Besonders sinnvoll ist sie bei Anlageninspektionen, Prozessprüfungen, Qualitätskontrollen und Temperaturtrendanalysen.
● Für gelegentliche, einfache Einzelmessungen reicht ein Standard-Infrarot-Thermometer in der Regel aus.
● Neben der Speicherkapazität sollten Zeitstempel, Aufzeichnungsintervalle, USB- oder Bluetooth-Kommunikation, Softwareunterstützung und Exportformate berücksichtigt werden.
● In industriellen Anwendungen ist eine effiziente Datenübertragung und -auswertung häufig wichtiger als ein großer interner Speicher allein.
Was ist ein Infrarot-Thermometer mit Datenaufzeichnung?
Ein Infrarot-Thermometer misst Oberflächentemperaturen berührungslos, indem es die vom Messobjekt abgegebene Infrarotstrahlung erfasst.
Standardgeräte zeigen üblicherweise den aktuellen Temperaturwert an und verfügen häufig über Funktionen wie HOLD, MAX, MIN oder AVG. Geräte mit Datenaufzeichnung können zusätzlich mehrere Messwerte im internen Speicher ablegen. Je nach Modell lassen sich die Daten außerdem über USB, Bluetooth oder eine spezielle Software an einen Computer oder ein mobiles Endgerät übertragen.
Je nach Geräteausführung kann die Datenaufzeichnung folgende Funktionen umfassen:
● Manuelles Speichern einzelner Messwerte;
● Automatische Aufzeichnung in festgelegten Intervallen;
● Speicherung von MAX-, MIN- und AVG-Werten;
● Speicherung von Datum und Uhrzeit;
● Datenübertragung über USB an einen PC;
● Bluetooth-Übertragung an Smartphone oder Tablet;
● PC-Software zur Darstellung von Messwertlisten und Temperaturverläufen;
● Export als CSV-Datei, Tabellenformat oder anderes Datenformat.
Eine Datenaufzeichnung bedeutet somit mehr als nur zusätzlichen Speicher. Sie verbessert insbesondere die Rückverfolgbarkeit von Temperaturmessungen.
Welchen praktischen Nutzen hat die Datenaufzeichnung?
Bei einer einmaligen Temperaturprüfung genügt es häufig, den aktuellen Messwert abzulesen. Bei industrieller Instandhaltung und Prozesskontrolle reicht ein einzelner Temperaturwert dagegen oft nicht aus, um den Zustand einer Anlage zuverlässig zu beurteilen.
Wird beispielsweise an einem Motor heute eine Temperatur von 65 °C gemessen, muss dieser Wert für sich genommen noch nicht ungewöhnlich sein. Lagen die Messwerte an derselben Stelle in den vergangenen Monaten jedoch konstant zwischen 45 und 50 °C, erhält der neue Wert eine deutlich höhere Aussagekraft.
Genau hier liegt der Nutzen historischer Messdaten.
● Vergleich derselben Anlage zu unterschiedlichen Zeitpunkten;
● Vergleich mehrerer baugleicher Maschinen;
● Beobachtung des Temperaturanstiegs nach dem Einschalten;
● Dokumentation vor und nach Wartungsarbeiten;
● Erfassung von Temperaturänderungen im Produktionsprozess;
● Bereitstellung von Messdaten für Wartungsberichte, Qualitätsnachweise oder Kundenberichte.
Für Anwender, die den Zustand von Anlagen langfristig überwachen, sind historische Messreihen häufig wertvoller als einzelne Messwerte.
Für welche Anwendungen eignet sich die Datenaufzeichnung besonders?
Eine Datenaufzeichnung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Messungen regelmäßig wiederholt oder dokumentiert werden müssen.
● Industrielle Anlageninspektion: Regelmäßige Prüfung von Motoren, Lagern, Pumpen, Getrieben, Schaltschränken, elektrischen Anlagen und mechanischen Komponenten.
● HVAC-Prüfung: Dokumentation der Oberflächentemperatur an Luftauslässen, Kanälen, Wärmetauschern, Verdichtern, Kondensatoren und weiteren Komponenten.
● Prozesskontrolle: Messung an Förderbändern, Rollen, Heizsystemen, Formen, Kunststoffverarbeitungsmaschinen oder verschiedenen Stationen einer Produktionslinie.
● Qualitätskontrolle: Speicherung von Temperaturwerten für Chargenvergleiche, Fehleranalysen und Produktionsdokumentationen.
● Instandhaltung: Vergleich von Temperaturen vor, während und nach Wartungsarbeiten.
● Labor und Ausbildung: Dokumentation von Oberflächentemperaturen unter unterschiedlichen Material-, Umgebungs- oder Zeitbedingungen.
Werden täglich Dutzende oder sogar Hunderte Messstellen geprüft, ist die manuelle Übertragung zeitaufwendig und fehleranfällig. In solchen Fällen bieten interne Speicherung und Datenexport einen deutlichen Mehrwert.
Wann reicht ein Standard-Infrarot-Thermometer aus?
Nicht jeder Anwender benötigt eine Datenlogger-Funktion.
Ein Standardgerät ist in der Regel ausreichend, wenn:
● lediglich geprüft werden soll, ob ein Bauteil überhitzt;
● Motoren, Rohrleitungen oder HVAC-Anlagen nur gelegentlich kontrolliert werden;
● ausschließlich der aktuelle Temperaturwert benötigt wird;
● nur wenige Messstellen vorhanden sind;
● keine Prüfberichte erstellt werden müssen;
● keine historischen Messwerte gespeichert werden sollen.
Muss ein Servicetechniker beispielsweise lediglich feststellen, ob ein Lager ungewöhnlich heiß läuft, ohne das Ergebnis später zu dokumentieren, bieten interner Speicher, USB-Kommunikation oder Analyse-Software möglicherweise nur einen begrenzten Nutzen.
In diesem Fall sollte das Budget eher in wesentliche Messparameter wie Temperaturbereich, Genauigkeit, D:S, Emissionsgrad und Ansprechzeit investiert werden.
Verbessert die Datenaufzeichnung die Messgenauigkeit?
Nein.
Dies ist ein häufiges Missverständnis bei der Auswahl entsprechender Geräte.
Die Datenaufzeichnung verbessert die Speicherung, Verwaltung und Auswertung der Messergebnisse. Sie verändert jedoch weder das optische System noch den Infrarotsensor oder den Messalgorithmus. Ein Gerät mit Datenlogger ist daher nicht automatisch genauer.
Die Genauigkeit einer Infrarotmessung hängt weiterhin unter anderem von folgenden Faktoren ab:
● Gerätespezifikation der Messgenauigkeit;
● D:S-Verhältnis;
● Größe des Messobjekts;
● Einstellung des Emissionsgrads;
● Messabstand;
● Messwinkel;
● Material und Oberflächenbeschaffenheit;
● Umgebungstemperatur;
● Dampf, Rauch, Staub oder andere Störungen im optischen Messweg.
Beim Vergleich verschiedener Modelle sollte deshalb zuerst geprüft werden, ob die grundlegenden Messparameter zur Anwendung passen. Erst anschließend sollte die Datenaufzeichnung bewertet werden.
Nicht nur die Anzahl der Speicherplätze vergleichen
Die Anzahl speicherbarer Messwerte lässt sich leicht vergleichen, ist aber nicht das einzige relevante Kriterium.
Ein Gerät kann beispielsweise mehrere Hundert Messwerte speichern. Wenn diese jedoch keinen Zeitstempel enthalten und nur einzeln am Display abgerufen werden können, kann die Verwaltung großer Datenmengen trotzdem umständlich sein.
Wichtige Auswahlkriterien sind:
● Speicherung von Datum und Uhrzeit;
● Unterstützung automatischer Daueraufzeichnung;
● Einstellbares Aufzeichnungsintervall;
● Speicherung von MAX-, MIN- und AVG-Werten;
● USB-Schnittstelle;
● Bluetooth-Schnittstelle;
● Verfügbarkeit geeigneter Software;
● Möglichkeit des gebündelten Datenexports;
● Geeignetes Dateiformat für die Weiterverarbeitung;
● Darstellung von Temperaturverläufen.
Bei umfangreichen Prüfaufgaben ist die einfache Weiterverarbeitung der Daten häufig wichtiger als die maximale interne Speicherkapazität.
Was ist der Unterschied zwischen manueller und automatischer Aufzeichnung?
Bei der manuellen Aufzeichnung speichert der Anwender nach einer Messung den aktuellen Wert per Tastendruck. Diese Methode eignet sich besonders für Anlageninspektionen, Mehrpunktmessungen und die Dokumentation verschiedener Messstellen.
Bei der automatischen Aufzeichnung speichert das Gerät Temperaturwerte in vordefinierten Zeitabständen, beispielsweise jede Sekunde, alle 10 Sekunden oder jede Minute. Die verfügbaren Intervalle und die maximale Aufzeichnungsdauer sind modellabhängig.
Die automatische Aufzeichnung eignet sich insbesondere zur Beobachtung von:
● Erwärmung nach dem Einschalten einer Anlage;
● Heizprozessen;
● Abkühlvorgängen;
● Kontinuierlicher Werkstückbearbeitung;
● Periodischen Temperaturänderungen einer Oberfläche.
Bei längerer Aufzeichnung mit einem handgeführten Infrarot-Thermometer sollten Messposition, Winkel und Abstand möglichst konstant bleiben. Andernfalls können scheinbare Temperaturänderungen durch veränderte Messbedingungen entstehen.
Sind USB und Bluetooth sinnvoll?
Ob USB oder Bluetooth erforderlich sind, hängt vor allem davon ab, wie die Messdaten weiterverwendet werden.
USB eignet sich besonders für industrielle Prüfungen, Labore und Anwendungen, bei denen größere Datenmengen auf einem Computer archiviert werden. Messwerte lassen sich anschließend strukturieren, auswerten und in Berichte übernehmen.
Bluetooth bietet Vorteile bei mobilen Arbeiten vor Ort. Messwerte können über Smartphone oder Tablet angezeigt und gespeichert werden, wodurch manuelles Übertragen reduziert wird.
Wenn ein Unternehmen langfristige Inspektionsdaten archivieren muss, ist ein Gerät mit praktischer Datenübertragung in der Regel sinnvoller als ein Modell mit rein internem Speicher.
Bei OEM-Anwendungen, Qualitätsmanagement und industrieller Instandhaltung sollten zusätzlich Softwarekompatibilität, Dateiformate und Kommunikationsschnittstellen geprüft werden.
Kann ein Infrarot-Thermometer mit Datenlogger einen professionellen Temperaturdatenlogger ersetzen?
Nicht grundsätzlich.
Ein handgeführtes Infrarot-Thermometer bietet die Vorteile der berührungslosen, schnellen und flexiblen Messung verschiedener Oberflächen.
Professionelle Temperaturdatenlogger sind dagegen meist für längerfristige stationäre Messungen ausgelegt und erfassen Temperaturen beispielsweise mit Thermoelementen, RTDs oder anderen Sensoren kontinuierlich.
Die Geräte erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Müssen Mitarbeiter täglich zahlreiche Anlagen überprüfen und die Oberflächentemperatur verschiedener Messpunkte dokumentieren, ist ein Infrarot-Thermometer mit Datenaufzeichnung häufig sehr praktisch.
Soll dagegen eine einzelne Messstelle über mehrere Stunden, Tage oder länger kontinuierlich überwacht werden, ist ein spezieller Temperaturdatenlogger häufig besser geeignet.
Die Auswahl sollte daher anhand der Messmethode und der erforderlichen Überwachungsdauer erfolgen.
Welche weiteren Spezifikationen sind bei der Auswahl wichtig?
Auch wenn eine Datenaufzeichnung erforderlich ist, bleiben die grundlegenden Infrarot-Messparameter entscheidend.
● Temperaturbereich: Der Messbereich muss die niedrigsten und höchsten zu erwartenden Temperaturen abdecken.
● D:S: Bestimmt die Größe des Messfelds in Abhängigkeit vom Abstand und ist insbesondere bei kleinen Zielen aus größerer Entfernung wichtig.
● Emissionsgrad: Ein einstellbarer Emissionsgrad ermöglicht eine bessere Anpassung an unterschiedliche Materialien.
● Genauigkeit: Die Spezifikation muss zur jeweiligen Prüfaufgabe passen.
● Ansprechzeit: Besonders relevant bei bewegten Zielen oder schnell wechselnden Oberflächentemperaturen.
● Spektralbereich: Legt den Wellenlängenbereich fest, in dem das Gerät Infrarotstrahlung erfasst.
● Alarmfunktionen: HI-/LO-Grenzwerte erleichtern die schnelle Erkennung ungewöhnlicher Temperaturen.
● Kommunikationsschnittstellen: USB, Bluetooth oder andere Schnittstellen entsprechend dem vorgesehenen Datenworkflow auswählen.
Die Datenaufzeichnung ist somit eine zusätzliche Funktion zur Verbesserung des Arbeitsablaufs, ersetzt jedoch nicht die grundlegende Messleistung.
Wie lässt sich entscheiden, ob sich der Aufpreis lohnt?
Entscheidend ist, was nach der eigentlichen Messung mit den Daten geschieht.
Wenn bei der Arbeit regelmäßig Fragen auftreten wie:
● Wie hoch war der vorherige Messwert?
● Steigt die Temperatur dieser Maschine über längere Zeit an?
● Wo befinden sich die heutigen Messwerte aller Prüfstellen?
● Lassen sich die Daten auf einen Computer übertragen?
● Können die Werte in einem Prüf- oder Qualitätsbericht verwendet werden?
● Wie unterscheiden sich die Temperaturen verschiedener Produktionschargen?
Dann ist eine Datenaufzeichnung in der Regel sinnvoll.
Besteht der Arbeitsablauf dagegen hauptsächlich aus „anvisieren – messen – ablesen – fertig“, ist ein Standardgerät häufig die wirtschaftlichere Lösung.
Das Ziel sollte nicht darin bestehen, das Gerät mit den meisten Funktionen auszuwählen, sondern das Messgerät an den tatsächlichen Arbeitsablauf anzupassen.
FAQ
Ist ein Infrarot-Thermometer mit Datenaufzeichnung grundsätzlich besser?
Nein. Die Datenaufzeichnung verbessert die Dokumentation und Verwaltung der Messwerte, bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Genauigkeit, einen größeren Temperaturbereich oder ein höheres D:S-Verhältnis.
Verbessert ein Datenlogger die Messgenauigkeit?
Nein. Die Messgenauigkeit hängt vor allem von Gerätespezifikation, Emissionsgrad, D:S, Zielgröße, Abstand und Umgebungsbedingungen ab.
Ist ein interner Speicher auch ohne USB sinnvoll?
Ja, insbesondere wenn nur eine begrenzte Anzahl von Messwerten gespeichert und direkt am Gerät kontrolliert werden soll. Bei größeren Datenmengen sind USB, Bluetooth oder andere Exportmöglichkeiten praktischer.
Eignet sich ein Infrarot-Thermometer mit Datenlogger für Anlageninspektionen?
Ja. Besonders sinnvoll ist es bei regelmäßigen Prüfungen von Motoren, Lagern, elektrischen Anlagen, HVAC-Systemen oder Produktionsmaschinen, wenn historische Werte verglichen werden sollen.
Kann ein Infrarot-Thermometer einen ganzen Tag kontinuierlich aufzeichnen?
Das hängt von Modell, Speicherkapazität, Batterielaufzeit, Aufzeichnungsintervall und Software ab. Für eine längerfristige stationäre Überwachung sollte auch ein professioneller Temperaturdatenlogger berücksichtigt werden.
Was ist besser: Bluetooth oder USB?
Bluetooth ist besonders praktisch für mobile Arbeiten und die Verwendung mit Smartphones oder Tablets. USB eignet sich besser für größere Datenmengen, PC-Archivierung und Berichtserstellung. Einige Modelle unterstützen beide Schnittstellen.
Fazit
Ein Infrarot-Thermometer mit Datenaufzeichnung ist nicht für jeden Anwender erforderlich. Müssen Messwerte jedoch regelmäßig gespeichert, verglichen oder langfristig verfolgt werden, kann diese Funktion den Datenworkflow deutlich verbessern.
Besonders bei Anlagenwartung, HVAC-Prüfung, Prozesskontrolle, Qualitätsmanagement und industrieller Inspektion bieten interner Speicher, USB, Bluetooth und PC-Software klare Vorteile.
Für gelegentliche Einzelmessungen reicht dagegen meist ein Standard-Infrarot-Thermometer aus. In solchen Fällen sollten Temperaturbereich, Genauigkeit, D:S, Emissionsgrad und Ansprechzeit im Vordergrund stehen.
Als einfache Entscheidungshilfe gilt: Müssen Temperaturdaten nach der Messung gespeichert, verglichen oder ausgewertet werden, ist eine Datenaufzeichnung meist sinnvoll. Wird lediglich der aktuelle Messwert benötigt, besteht in der Regel kein Grund, allein für diese Zusatzfunktion mehr zu investieren.




















