Einleitung
Infrarotthermometer werden häufig zur berührungslosen Temperaturmessung an Motoren, Lagern, elektrischen Anlagen, Rohrleitungen, HLK-Systemen, Produktionsmaschinen und heißen Oberflächen eingesetzt. Unter normalen Innenraumbedingungen arbeiten die meisten tragbaren Geräte zuverlässig. In rauen Industrieumgebungen können jedoch Staub, Feuchtigkeit, Öl, Regen und häufige Handhabung die Zuverlässigkeit und Lebensdauer deutlich beeinflussen.
Bei der Auswahl eines Infrarotthermometers für anspruchsvolle Industrieanwendungen sollten daher neben Messbereich, Genauigkeit, Emissionsgrad und D:S auch die IP-Schutzart und die tatsächlichen Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden.
Die IP-Schutzart beschreibt den Schutz des Gehäuses gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern und Wasser. Sie sagt jedoch nichts über die gesamte industrielle Robustheit aus. Fallfestigkeit, Vibration, chemische Beständigkeit, zulässige Umgebungstemperatur und Eignung für explosionsgefährdete Bereiche müssen separat bewertet werden.
Die wichtigsten Punkte
● Für allgemeine industrielle Innenanwendungen mit Staub und gelegentlichem Spritzwasser kann IP54 ausreichend sein.
● Bei hoher Staubbelastung, regelmäßiger Anlagenreinigung oder stärkerem Wasserstrahl ist IP65 in der Regel geeigneter.
● IP67 bietet einen höheren Schutz gegen Staub und Wasser, ist jedoch nur erforderlich, wenn die tatsächlichen Einsatzbedingungen dies verlangen.
● Die IP-Schutzart ist keine Angabe zur Fallfestigkeit. Für mobile Anwendungen sollten Falltest, Gehäusekonstruktion und mechanischer Schutz separat geprüft werden.
● In Bereichen mit brennbaren Gasen, Dämpfen oder explosionsfähigem Staub reicht eine hohe IP-Schutzart nicht aus. Hier sind entsprechende Ex- oder eigensichere Geräte erforderlich.
Was bedeutet die IP-Schutzart bei einem Infrarotthermometer?
IP steht für Ingress Protection und beschreibt den Schutz eines Gehäuses gegen feste Fremdkörper und Wasser. Typische Angaben sind IP54, IP65 oder IP67.
Die erste Kennziffer beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Staub, die zweite Kennziffer den Schutz gegen Wasser.
Beispiele:
● IP54: Schutz gegen Staub in schädigender Menge sowie gegen Spritzwasser.
● IP65: staubdicht und gegen Wasserstrahlen geschützt.
● IP67: staubdicht und unter definierten Bedingungen gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt.
Eine höhere IP-Schutzart bedeutet im Allgemeinen einen besseren Schutz gegen Staub und Wasser. Für viele industrielle Anwendungen ist jedoch nicht zwingend die höchste Schutzart erforderlich.
Welche Schutzart eignet sich für allgemeine Industrieanwendungen?
Wird ein Infrarotthermometer hauptsächlich für Wartungsarbeiten, elektrische Inspektionen, Motorprüfungen, Lagertemperaturmessungen oder HLK-Service in einer relativ trockenen Umgebung eingesetzt, ist eine sehr hohe IP-Schutzart häufig nicht notwendig.
Zusätzlich sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
● Deckt der Temperaturmessbereich die Anwendung ab?
● Passt D:S zu Messabstand und Zielgröße?
● Ist der Emissionsgrad für die zu messenden Oberflächen geeignet?
● Bietet das Gehäuse ausreichenden Schutz gegen normalen Staub und Spritzwasser?
● Liegt die Umgebungstemperatur innerhalb des zulässigen Betriebsbereichs?
Für viele typische industrielle Wartungsaufgaben bietet IP54 einen praxisgerechten Schutz.
Welche Schutzart ist bei hoher Staubbelastung sinnvoll?
In Zementwerken, Holzverarbeitung, Bergbau, mechanischer Fertigung und Pulververarbeitung kann eine hohe Staubkonzentration auftreten. Feine Partikel können sich an Tasten, Gehäusefugen, Batteriefach und optischen Komponenten ablagern.
Für solche Umgebungen empfiehlt sich ein Gerät mit klar spezifiziertem Staubschutz.
● Bei mäßiger Staubbelastung kann IP5X ausreichend sein.
● Bei starker oder dauerhafter Staubbelastung ist IP6X vorzuziehen.
● Zusätzlich sollten die Abdichtung von Tasten und Batteriefach sowie die Reinigungsmöglichkeit des optischen Fensters berücksichtigt werden.
Auch ein staubdichtes Gerät benötigt eine saubere Optik. Staub auf der Infrarotlinse kann die empfangene Infrarotstrahlung reduzieren und die Messstabilität beeinträchtigen.
Welche Schutzart ist bei Feuchtigkeit, Kondensation und Spritzwasser erforderlich?
HLK-Technikräume, Lebensmittelproduktion, Fertigungsanlagen und Außenbereiche können Feuchtigkeit, Kondenswasser oder Reinigungswasser ausgesetzt sein.
Bei gelegentlichen Tropfen oder Spritzwasser kann IP54 ausreichend sein.
Bei regelmäßigem Wasserstrahl, häufigen Reinigungsarbeiten oder höherer Feuchtigkeit ist IP65 oder ein vergleichbarer Schutz sinnvoller.
● IPX4: Schutz gegen Spritzwasser.
● IPX5: Schutz gegen Wasserstrahlen.
● IPX6: Schutz gegen starke Wasserstrahlen.
● IPX7: Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen unter festgelegten Bedingungen.
Auch bei hoher Schutzart sollte das Gerät nicht außerhalb der vom Hersteller spezifizierten Bedingungen dauerhaft Wasser ausgesetzt werden.
Ist IP65 für Außeninspektionen immer erforderlich?
Nein.
Allein der Außeneinsatz bedeutet nicht automatisch, dass IP65 erforderlich ist. Entscheidend sind die tatsächlichen Umgebungsbedingungen.
Bei kurzen Inspektionen an elektrischen Anlagen, Außengeräten von HLK-Systemen, Rohrleitungen oder Maschinen bei trockener Witterung kann auch eine niedrigere Schutzart ausreichen.
Bei regelmäßiger Exposition gegenüber Regen, Staub, Schlamm oder Feuchtigkeit ist eine höhere IP-Schutzart vorteilhaft.
Zusätzlich sind folgende Faktoren zu beachten:
● Zulässige Betriebstemperatur;
● Direkte Sonneneinstrahlung und Ablesbarkeit des Displays;
● Kondensation beim Wechsel von kalter in warme, feuchte Umgebung;
● Beschlagen des Infrarotfensters;
● Bedienbarkeit mit Arbeitshandschuhen.
Die Auswahl eines Infrarotthermometers für den Außeneinsatz sollte daher nicht allein anhand der IP-Schutzart erfolgen.
Reicht die IP-Schutzart in ölhaltigen Umgebungen aus?
Nein.
In mechanischer Fertigung, Fahrzeugwartung, Hydraulikanlagen und anderen industriellen Bereichen können Schmierstoffe, Schneidflüssigkeiten und Ölnebel auftreten. Die IP-Schutzart beschreibt hauptsächlich den Schutz gegen Staub und Wasser und gibt keine vollständige Auskunft über die Beständigkeit gegen Öle oder Chemikalien.
Hier sollten zusätzlich Gehäusematerial, Tasten, Dichtungen und optische Komponenten auf ihre Eignung für die jeweilige Umgebung geprüft werden.
Ölfilme auf der Infrarotlinse sollten vermieden werden. Verunreinigungen können die zum Sensor gelangende Infrarotstrahlung reduzieren und die Messstabilität beeinträchtigen.
Ist eine höhere IP-Schutzart immer besser?
Eine höhere Schutzart bedeutet grundsätzlich besseren Staub- und Wasserschutz. Die Auswahl sollte jedoch nach den tatsächlichen Einsatzbedingungen erfolgen und nicht ausschließlich nach der höchsten Kennzahl.
Eine sinnvolle Einordnung ist:
● Allgemeine Wartung in Innenräumen: grundlegender Staub- und Spritzwasserschutz sowie robuste Gehäuseausführung.
● Staubige Produktionsbereiche: höhere Staubschutzklasse.
● Feuchte oder regelmäßig gereinigte Bereiche: höherer Wasserschutz.
● Häufige Außeninspektionen: Staub, Wasser, Betriebstemperatur und mechanische Robustheit gemeinsam betrachten.
● Besonders anspruchsvolle Industrieumgebungen: zusätzlich Fallfestigkeit, Vibration, chemische Belastung und Explosionsschutz prüfen.
Die geeignete Schutzart ist diejenige, die zur realen Anwendung passt.
Bedeutet IP65 auch hohe Fallfestigkeit?
Nein.
Dies ist ein häufiger Irrtum bei der Auswahl industrieller Messgeräte.
IP65 beschreibt den Schutz gegen Staub und Wasser. Die Widerstandsfähigkeit gegen Stöße oder Stürze wird dadurch nicht definiert.
Bei häufig transportierten Infrarotthermometern sollten zusätzlich folgende Punkte geprüft werden:
● Vom Hersteller angegebene Fallhöhe;
● Gummierte oder stoßabsorbierende Gehäusekonstruktion;
● Sicherer Batteriefachverschluss;
● Schutz von Display und Infrarotoptik;
● Angaben zu mechanischen Stoß- oder Haltbarkeitstests.
Staubschutz, Wasserschutz und Fallfestigkeit sind getrennte Eigenschaften.
Reicht eine hohe IP-Schutzart in explosionsgefährdeten Bereichen aus?
Nein.
In petrochemischen Anlagen, Gasbereichen, Lackierereien und bestimmten Pulverprozessen können brennbare Gase, Dämpfe oder explosionsfähige Stäube auftreten.
Ein Infrarotthermometer mit IP65 oder IP67 ist deshalb nicht automatisch explosionsgeschützt oder eigensicher.
Für explosionsgefährdete Bereiche muss geprüft werden, ob das Gerät über die erforderliche Ex-Zulassung, Eigensicherheit oder andere für den Einsatzbereich notwendige Zertifizierungen verfügt. Eine IP-Schutzart ersetzt keine Explosionsschutz-Zertifizierung.
Welche weiteren technischen Daten sollten berücksichtigt werden?
Der Umgebungsschutz ist nur ein Teil der Geräteauswahl. In industriellen Anwendungen sollten Schutz und Messleistung gemeinsam betrachtet werden.
● Temperaturbereich: Muss den niedrigsten und höchsten zu erwartenden Temperaturwert mit ausreichender Reserve abdecken.
● D:S: Bei größeren Messabständen oder kleinen Zielobjekten ist ein höheres Distanz-zu-Messfleck-Verhältnis erforderlich.
● Emissionsgrad: Ein einstellbarer Emissionsgrad ist bei unterschiedlichen Oberflächenmaterialien vorteilhaft.
● Ansprechzeit: Für bewegte Objekte oder schnell wechselnde Temperaturen ist eine kurze Ansprechzeit wichtig.
● Betriebstemperatur: Besonders relevant in heißen Werkhallen, Kühlräumen und Außenbereichen.
● Alarmfunktionen: Hoch-/Tiefalarm kann Routineinspektionen effizienter machen.
● Mechanische Robustheit: Bei häufigem Transport und mobilen Wartungseinsätzen sind Fallfestigkeit und Gehäusekonstruktion wichtig.
Ein geeignetes industrielles Infrarotthermometer muss sowohl zuverlässig messen als auch dauerhaft zur Einsatzumgebung passen.
FAQ
Ist für raue Industrieumgebungen mindestens IP54 erforderlich?
Nicht grundsätzlich. IP54 ist für viele industrielle Anwendungen ein sinnvoller Referenzwert. Der tatsächliche Bedarf hängt jedoch von Staub, Feuchtigkeit und Wasserbelastung ab.
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen IP54 und IP65?
IP65 bietet einen höheren Schutz gegen Staub und Wasser. Das Gehäuse ist staubdicht und gegen Wasserstrahlen geschützt und eignet sich daher besser für staubige oder feuchte Industrieumgebungen.
Kann ein IP67-Infrarotthermometer unter Wasser verwendet werden?
Nicht allgemein. IP67 beschreibt einen Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen unter festgelegten Prüfbedingungen. Zulässige Tiefe und Dauer sind den Herstellerangaben zu entnehmen. Ein dauerhafter Unterwassereinsatz ist daraus nicht abzuleiten.
Kann ein IP65-Infrarotthermometer bei Regen eingesetzt werden?
IP65 bietet einen guten Schutz gegen Wasserstrahlen. Ob ein längerer Einsatz im Regen zulässig ist, hängt jedoch von den Betriebs- und Sicherheitshinweisen des Herstellers ab.
Muss die Linse eines staubgeschützten Infrarotthermometers weiterhin gereinigt werden?
Ja. Staub, Öl und Feuchtigkeit auf der optischen Fläche können die empfangene Infrarotstrahlung beeinflussen und sollten entsprechend den Herstellerhinweisen entfernt werden.
Was ist wichtiger: IP-Schutzart oder Messgenauigkeit?
Beide erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die Genauigkeit bestimmt die Qualität des Messergebnisses, die IP-Schutzart die Widerstandsfähigkeit gegen Staub und Wasser. In Industrieanwendungen müssen beide Anforderungen erfüllt werden.
Fazit
Für raue Industrieumgebungen gibt es keine einzelne IP-Schutzart, die für alle Anwendungen geeignet ist.
Bei allgemeinen Wartungs- und Inspektionsarbeiten kann ein grundlegender Staub- und Spritzwasserschutz ausreichen. Bei stärkerer Staub-, Feuchtigkeits- oder Wasserbelastung sind IP54 oder IP65 sinnvoll. IP67 sollte gewählt werden, wenn tatsächlich ein höherer Wasserschutz erforderlich ist.
Die IP-Schutzart beschreibt jedoch ausschließlich den Schutz gegen Staub und Wasser. Zusätzlich sollten Messbereich, D:S, Emissionsgrad, Genauigkeit, Ansprechzeit, Betriebstemperatur, Fallfestigkeit und gegebenenfalls Explosionsschutz berücksichtigt werden.
Entscheidend ist nicht die höchstmögliche IP-Schutzart, sondern eine Schutzklasse, die den realen Einsatzbedingungen entspricht.




















