Einleitung
Schall- und Lärmmessungen sind unter anderem in Industrieanlagen, auf Baustellen, bei Umweltmessungen, in der Instandhaltung, bei der Beurteilung von Arbeitsplatzlärm sowie bei akustischen Untersuchungen erforderlich.
Je nach Messaufgabe kann ein einfacher Schallpegelmesser ausreichend sein oder ein professioneller Schallanalysator mit erweiterten Auswertefunktionen erforderlich werden.
Beide Gerätetypen können Schalldruckpegel messen. Ein einfacher Schallpegelmesser dient jedoch in erster Linie zur schnellen Bestimmung des aktuellen Geräuschpegels. Professionelle Schallanalysatoren ermöglichen darüber hinaus Frequenzanalysen, statistische Auswertungen, Langzeitaufzeichnungen und weitere akustische Untersuchungen.
Bei der Geräteauswahl sollten daher nicht nur Messbereich und Genauigkeit berücksichtigt werden. Entscheidend ist, welche Messgrößen benötigt werden und wofür die Messergebnisse verwendet werden sollen.
Das Wichtigste im Überblick
● Beide Gerätetypen können Schalldruckpegel messen, unterscheiden sich jedoch deutlich im Funktionsumfang;
● Einfache Schallpegelmesser eignen sich für schnelle Vor-Ort-Messungen, Routinekontrollen und grundlegende Lärmbeurteilungen;
● Professionelle Schallanalysatoren bieten häufig umfangreichere Frequenz-, Statistik- und Aufzeichnungsfunktionen;
● Anforderungen an Oktav-, Terzband-, integrierende oder Langzeitmessungen sind wichtige Auswahlkriterien;
● Für normgerechte Messungen, Arbeitsplatzbewertungen oder professionelle Akustikanalysen müssen die einschlägigen Anforderungen an Geräteklasse und Messverfahren berücksichtigt werden;
● Ein größerer Funktionsumfang ist nicht automatisch besser – entscheidend ist die konkrete Messaufgabe.
Was ist ein einfacher Schallpegelmesser?
Ein Schallpegelmesser ist ein tragbares Messgerät zur Erfassung des Schalldruckpegels. Das Mikrofon nimmt den Schall auf und wandelt den Schalldruck in ein elektrisches Signal um. Dieses wird anschließend entsprechend der gewählten Frequenz- und Zeitbewertung verarbeitet und als Messwert angezeigt.
Typische Funktionen sind:
● Messung des Schalldruckpegels in dB;
● A-Bewertung, bei einigen Geräten zusätzlich C-Bewertung;
● Zeitbewertungen FAST und SLOW;
● Anzeige von aktuellem, maximalem und minimalem Schallpegel;
● Je nach Modell Data-Hold, Alarmfunktionen, Hintergrundbeleuchtung, Datenspeicherung oder Bluetooth.
Für routinemäßige Maschinenkontrollen, Arbeitsplatzmessungen, Baustellenprüfungen und allgemeine Umgebungslärmmessungen sind solche Geräte häufig ausreichend.
Was ist ein professioneller Schallanalysator?
Ein professioneller Schallanalysator erfasst nicht nur die Höhe eines Schallpegels, sondern kann zusätzlich dessen Frequenzzusammensetzung, zeitlichen Verlauf und statistische Eigenschaften analysieren.
Dazu verfügen diese Geräte in der Regel über leistungsfähigere Signalverarbeitung und – abhängig von Modell und Konfiguration – über zusätzliche Akustikmodule.
Typische Funktionen können sein:
● Frequenzbewertungen A, C und Z;
● Zeitbewertungen FAST, SLOW und IMPULSE;
● Integrierende Messgrößen wie der äquivalente A-bewertete Dauerschallpegel LAeq;
● Maximal-, Minimal- und Spitzenpegel;
● Oktavbandanalyse;
● Terzbandanalyse;
● Statistische Pegelanalyse;
● Zeitverlaufsaufzeichnung;
● Langzeit-Datenaufzeichnung;
● Datenexport und professionelle Analysesoftware.
Nicht jeder professionelle Schallanalysator bietet sämtliche genannten Funktionen. Der tatsächliche Funktionsumfang hängt vom jeweiligen Modell und der Konfiguration ab.
Was ist der wesentliche Unterschied?
Vereinfacht gesagt: Ein einfacher Schallpegelmesser zeigt vor allem, wie hoch der Schallpegel ist. Ein professioneller Schallanalysator kann zusätzlich untersuchen, aus welchen Frequenzanteilen der Schall besteht und wie er sich zeitlich verändert.
Werden beispielsweise neben einer Industriemaschine etwa 85 dB gemessen und soll lediglich festgestellt werden, ob ein erhöhter Geräuschpegel vorliegt, kann ein einfacher Schallpegelmesser ausreichend sein.
Soll dagegen untersucht werden, welche Frequenzen dominieren, welche Geräuschanteile von mechanischen Komponenten stammen oder welche Frequenzbereiche bei einer Lärmminderungsmaßnahme berücksichtigt werden müssen, reicht ein einzelner Gesamtpegel häufig nicht aus.
Hier ist ein professioneller Analysator mit Frequenzanalyse deutlich geeigneter.
Wie unterscheiden sich die Messgrößen?
Einfache Schallpegelmesser zeigen typischerweise eine begrenzte Anzahl grundlegender Messgrößen an, beispielsweise den aktuellen, maximalen und minimalen Schallpegel.
Professionelle Geräte können zusätzlich Messgrößen wie LAeq, LAFmax, LCpeak und statistische Pegel erfassen und berechnen.
Der äquivalente Dauerschallpegel ist insbesondere für zeitlich schwankende Geräusche von Bedeutung. Reale Lärmsituationen sind selten konstant. Ein einzelner momentaner dB-Wert kann daher die Belastung über einen längeren Messzeitraum nicht vollständig beschreiben.
Mit zunehmenden Anforderungen an die zeitliche Bewertung steigen entsprechend die Anforderungen an die Signalverarbeitung des Messgeräts.
Wie unterscheiden sich die Möglichkeiten der Frequenzanalyse?
Die Frequenzanalyse gehört zu den wichtigsten Unterschieden.
Einfache Schallpegelmesser verwenden üblicherweise A- oder C-Bewertungen für die Messung eines Gesamtpegels, liefern jedoch normalerweise keine detaillierten Pegelwerte einzelner Frequenzbänder.
Professionelle Schallanalysatoren können dagegen Oktav- oder Terzbandanalysen durchführen.
Zwei Maschinen können beispielsweise jeweils einen Gesamtpegel von 80 dB erzeugen, obwohl bei der einen tieffrequente und bei der anderen mittel- oder hochfrequente Geräuschanteile dominieren. Trotz ähnlicher Gesamtpegel unterscheiden sich Geräuschcharakter, Wahrnehmung und geeignete Lärmminderungsmaßnahmen erheblich.
Frequenzanalysen sind deshalb insbesondere bei Maschinendiagnosen, bauakustischen Untersuchungen, Produktprüfungen und Lärmminderungsprojekten hilfreich.
Wie unterscheiden sich Datenaufzeichnung und Auswertung?
Einfache Schallpegelmesser sind in erster Linie für mobile Messungen und schnelle Ablesungen ausgelegt. Einige Modelle verfügen zwar über Datenspeicherung oder Bluetooth, die Möglichkeiten zur detaillierten Analyse bleiben jedoch häufig begrenzt.
Professionelle Schallanalysatoren ermöglichen umfangreichere kontinuierliche Aufzeichnungen und können Zeitverläufe über mehrere Stunden oder längere Zeiträume erfassen.
Damit lässt sich beispielsweise feststellen:
● In welchen Zeiträumen der Geräuschpegel deutlich ansteigt;
● Wie stark sich der Pegel beim Start einer Maschine verändert;
● Ob periodisch arbeitende Anlagen wiederkehrende Geräuschmuster erzeugen;
● Ob unterschiedliche Produktionsphasen unterschiedliche Pegel aufweisen;
● Wann kurzzeitige hohe Geräuschereignisse auftreten und wie lange sie dauern.
Diese Funktionen sind insbesondere für Langzeit-Umweltmessungen, industrielle Lärmanalysen und professionelle Akustikuntersuchungen relevant.
Sind professionelle Geräte grundsätzlich genauer?
Nein. Ein einfacher Schallpegelmesser ist nicht automatisch ungenau, und ein professioneller Schallanalysator ist nicht allein aufgrund seines Funktionsumfangs automatisch genauer.
Die Messqualität hängt unter anderem von Gerätespezifikation, Mikrofon, Kalibrierzustand, einschlägigen Normanforderungen und Messbedingungen ab.
Schallpegelmesser werden häufig den Klassen 1 oder 2 zugeordnet. Geräte der Klasse 1 unterliegen grundsätzlich engeren Toleranzen, unter anderem hinsichtlich des Frequenzgangs. Geräte der Klasse 2 werden häufig für allgemeine Feldmessungen und grundlegende Lärmbeurteilungen eingesetzt.
Die Bezeichnungen „einfacher Schallpegelmesser“ und „professioneller Schallanalysator“ beschreiben jedoch primär den Funktionsumfang und nicht unmittelbar die Genauigkeitsklasse.
Für normgerechte oder dokumentationspflichtige Messungen sollte deshalb geprüft werden, welche Geräteklasse und welche technischen Anforderungen für die jeweilige Anwendung vorgeschrieben sind.
Wie unterscheidet sich die Bedienung?
Einfache Schallpegelmesser sind meist unkompliziert zu bedienen. Nach Auswahl von Messbereich, Frequenzbewertung und Zeitbewertung kann die Messung unmittelbar durchgeführt werden.
Professionelle Schallanalysatoren setzen dagegen ein umfassenderes Verständnis akustischer Messgrößen voraus.
Beispielsweise:
● Ist A-, C- oder Z-Bewertung erforderlich?
● Wird ein Momentanpegel oder ein äquivalenter Dauerschallpegel benötigt?
● Ist eine Terzbandanalyse erforderlich?
● Wie lange muss gemessen werden?
● Welches Aufzeichnungsintervall ist sinnvoll?
● Wie sind Frequenzspektren und statistische Ergebnisse zu interpretieren?
Der größere Funktionsumfang professioneller Geräte stellt daher auch höhere Anforderungen an die Kenntnisse des Anwenders.
Wie unterscheiden sich die Anwendungsbereiche?
Einfache Schallpegelmesser eignen sich unter anderem für:
● Routinemäßige Lärmkontrollen in Produktionsbereichen;
● Geräuschkontrollen an Maschinen;
● Messungen in Büros und gewerblichen Bereichen;
● Einfache Vergleiche von Geräten, Motoren und Werkzeugen;
● Schnelle Baustellenmessungen;
● Ausbildung und grundlegende Akustikversuche.
Professionelle Schallanalysatoren eignen sich insbesondere für:
● Professionelle Umweltlärmmessungen;
● Beurteilung von Arbeitsplatzlärm;
● Bauakustische Messungen;
● Akustische Produktuntersuchungen;
● Diagnose von Maschinengeräuschen;
● Frequenzanalyse von Geräuschquellen;
● Bewertung von Lärmminderungsmaßnahmen;
● Forschung und professionelle Akustikprojekte.
Die konkrete Auswahl muss immer unter Berücksichtigung der geltenden Normen, Vorschriften und Anforderungen des Messprojekts erfolgen.
Einfacher Schallpegelmesser vs. professioneller Schallanalysator
| Vergleichskriterium | Einfacher Schallpegelmesser | Professioneller Schallanalysator |
|---|---|---|
| Hauptanwendung | Schnelle Pegelmessung | Professionelle Akustikmessung und -analyse |
| Schalldruckpegel | Ja | Ja |
| A/C/Z-Bewertung | Modellabhängig | Meist umfangreicher |
| FAST/SLOW | Üblich | Üblich |
| Integrierende Größen wie LAeq | Teilweise | In der Regel verfügbar |
| Oktavbandanalyse | Normalerweise nicht | Modellabhängig verfügbar |
| Terzbandanalyse | Normalerweise nicht | Modellabhängig verfügbar |
| Statistische Analyse | Begrenzt | Bei professionellen Geräten üblich |
| Langzeitaufzeichnung | Einfach oder modellabhängig | Meist umfangreich |
| Analysesoftware | Einfach oder nicht vorhanden | Häufig professionell |
| Bedienungsaufwand | Geringer | Höher |
| Typische Anwender | Wartung, Betrieb, allgemeine Anwender | Akustiker, Prüftechniker, Forschung |
Die Tabelle beschreibt typische Gerätekategorien. Moderne digitale Schallpegelmesser können ebenfalls Datenlogger, Bluetooth oder App-Auswertung bieten. Entscheidend sind daher immer die konkreten Gerätespezifikationen.
Welches Gerät ist die richtige Wahl?
Entscheidend ist nicht, welches Gerät technisch umfangreicher ist, sondern welche Daten für die konkrete Messaufgabe benötigt werden.
Für schnelle Vor-Ort-Kontrollen, den Vergleich verschiedener Bereiche oder routinemäßige Maschinenprüfungen ist ein einfacher digitaler Schallpegelmesser häufig ausreichend.
Werden dagegen LAeq, Spitzenpegel, statistische Pegel, Frequenzspektren oder Zeitverläufe benötigt, sollte ein professioneller Schallanalysator mit den entsprechenden Funktionen gewählt werden.
Vor der Auswahl sollten folgende Fragen geklärt werden:
● Wird nur der aktuelle dB-Wert oder eine zeitbezogene Lärmbewertung benötigt?
● Sind A-, C- oder Z-Bewertungen erforderlich?
● Werden FAST, SLOW oder weitere Zeitbewertungen benötigt?
● Ist LAeq oder eine andere integrierende Messgröße erforderlich?
● Wird eine Oktav- oder Terzbandanalyse benötigt?
● Sind Langzeitaufzeichnung und Datenexport erforderlich?
● Werden die Ergebnisse für normgerechte Prüfungen oder offizielle Berichte verwendet?
● Ist eine bestimmte Geräteklasse wie Klasse 1 oder Klasse 2 vorgeschrieben?
FAQ
Kann ein einfacher Schallpegelmesser einen professionellen Schallanalysator ersetzen?
Für grundlegende Schalldruckpegelmessungen und schnelle Vor-Ort-Kontrollen häufig ja. Für Frequenzanalysen, statistische Auswertungen, integrierende Messungen oder komplexe Datenaufzeichnungen ist jedoch ein entsprechend ausgestattetes professionelles Gerät erforderlich.
Sind die dB-Messwerte eines einfachen Schallpegelmessers aussagekräftig?
Ja. Wenn das Gerät die Anforderungen der Messaufgabe erfüllt und korrekt eingesetzt wird, können die Werte für Routinekontrollen und Vergleichsmessungen verwendet werden. Bei normgerechten Messungen müssen zusätzlich Geräteklasse, Kalibrierung und geltende Anforderungen berücksichtigt werden.
Wann ist eine Terzbandanalyse sinnvoll?
Wenn die Frequenzverteilung eines Geräusches untersucht, dominante Frequenzbereiche identifiziert oder gezielte Lärmminderungsmaßnahmen entwickelt werden sollen.
Sind Klasse 1 und Klasse 2 gleichbedeutend mit einfachen und professionellen Geräten?
Nein. Klasse 1 und Klasse 2 beschreiben die messtechnischen Leistungsanforderungen eines Schallpegelmessers. „Einfach“ und „professionell“ beziehen sich dagegen hauptsächlich auf den Funktionsumfang.
Benötige ich für Maschinenlärm einen professionellen Schallanalysator?
Nicht unbedingt. Für Routinekontrollen kann ein einfacher Schallpegelmesser ausreichen. Soll die Geräuschquelle diagnostiziert oder eine Lärmminderungsmaßnahme entwickelt werden, ist eine Frequenzanalyse häufig sinnvoll.
Welche technischen Daten sind bei der Auswahl besonders wichtig?
Zu berücksichtigen sind Messbereich, Frequenz- und Zeitbewertung, Geräteklasse, Frequenzbereich, Datenaufzeichnung, integrierende Messgrößen und gegebenenfalls Oktav- oder Terzbandanalyse.
Fazit
Einfache Schallpegelmesser und professionelle Schallanalysatoren dienen beide der akustischen Messtechnik, verfolgen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.
Ein einfacher Schallpegelmesser ermöglicht eine schnelle Bestimmung des Schalldruckpegels und eignet sich besonders für Routinekontrollen und allgemeine Lärmmessungen.
Professionelle Schallanalysatoren bieten zusätzliche Funktionen wie integrierende Messungen, Frequenz- und Statistikanalysen sowie Zeitverlaufsaufzeichnungen. Sie eignen sich damit besonders für Umwelt- und Arbeitsplatzmessungen, Maschinendiagnosen, Bauakustik und Forschung.
Die Geräteauswahl sollte deshalb auf Messziel, erforderlichen Messgrößen, Analysebedarf und geltenden Anforderungen basieren.





















